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Wissenschaftler der Universität Witten/Herdecke suchen Wege für ein besseres Krisenmanagement in Familienunternehmen.

15 bis 20 Prozent der sanierungsfähigen und -würdigen Familienunternehmen
gehen in die Insolvenz, weil einzelne oder alle Mitglieder der
Gesellschafterfamilie den Vorschlägen externer Krisenmanager nicht
zustimmen: "Gerade in solchen Extremsituationen sind von Krisenmanagern
nicht nur kaufmännische sondern ausgeprägte psycho-soziale Fähigkeiten
gefragt", erklärt Prof. Arist v. Schlippe, Lehrstuhlinhaber für Führung
und Dynamik von Familienunternehmen des Wittener Institut für
Familienunternehmen (WIFU) der Universität Witten/Herdecke. Bislang
existieren jedoch keine Konzepte, wie die Familie systematisch bei einem
Krisenmanagement zu integrieren ist, so Dipl. Oec. Tom A. Rüsen, der
derzeit als Research Fellow des WIFU ein Forschungsprojekt über
Krisenmanagement in Familienunternehmen durchführt. Ein wichtiger Baustein
seines Forschungsprojektes besteht darin, entsprechende Methoden weiter zu
entwickeln, um so einen Beitrag zur Lösung der komplexen Aufgabe eines
nachhaltigen Krisenmanagements in Familienunternehmen zu leisten. Rüsen
und v. Schlippe widmen sich deshalb derzeit in einem von der
EQUA-Stiftung, Herrsching sowie der Stiftung Familienunternehmen,
Stuttgart, geförderten WIFU-Forschungsprojekt einer Reihe von bisher
ungeklärten Forschungsfragen:

+ Welche besonderen Einflüsse gehen von der Gesellschafterfamilie
eines Familienunternehmens in der Unternehmenskrise aus?
+ Inwieweit wirken sich ihre Verhaltensweisen auf den
+ Krisenverlauf
und die Arbeit eines externen Krisenmanagements aus?
+ Welche besonderen Anforderungen stellen sich in
Familienunternehmen an Sanierungsberater und interimistisch eingesetzte
Krisenmanager?

Erste Auswertungen der über 80 Experteninterviews mit Bankenvertretern,
Insolvenzverwaltern, Sanierungsberatern und Familienunternehmern zeigen
überraschende Ergebnisse. "Trotz der Vielschichtigkeit der Einflüsse auf
den Verlauf einer Existenz bedrohenden Unternehmenskrise in
Familienunternehmen, lassen sich zentrale Einflussfaktoren und typische
Verhaltensdynamiken der beteiligten Familienmitglieder identifizieren",
erklärt Tom A. Rüsen. Erstaunlich sei es für ihn, dass die
Unternehmerfamilie zwar als relevante Einflussgröße wahrgenommen werde,
bislang jedoch keine Konzepte vorliegen, wie die Familie systematisch bei
einem Krisenmanagement zu integrieren ist.

Dabei verfüge die Gesellschafterfamilie über ein hohes Potential:
Mitglieder der Gesellschafterfamilie sind in der Regel in erheblichem Maße
bereit, Privatvermögen zur Rettung des Unternehmens einzusetzen. Darüber
hinaus können sie durch schnelle Entscheidungen und Maßnahmen mit
Signalwirkungen in der Belegschaft wichtige Beiträge zum Gelingen einer
Sanierung leisten.

Diese positiven Einflüsse und die emotionale Unterstützung durch
familieninterne Geschlossenheit für geschäftsführende Familienmitglieder
in der Krise können sich jedoch leicht in ihr Gegenteil verkehren. Tauchen
familienintern Vorwürfe, Schuldzuschreibungen und Streitigkeiten auf,
müssen geschäftsführende Gesellschafter neben der Krise im Unternehmen
häufig noch eine Familienkrise zwischen Ehepartnern, Geschwistern, Eltern
und Kindern oder entfernteren Verwandten abwenden. Nach Ansicht der
Experten überwiegen in verschärften Krisen die negativen Einflüsse aus der
Gesellschafterfamilie. Denn die Maßnahmen eines Krisenmanagements zielen
zwar auf eine Optimierung des Unternehmens und damit auch des Eigentums
der Familiengesellschafter ab. Häufig stehen einer Lösung Hindernisse auf
der psychologischen Seite der Familienmitglieder entgegen.

Wird die gezielte Auseinandersetzung mit der Unternehmerfamilie versäumt,
droht selbst die beste Arbeit eines externen Krisenmanagements zu
scheitern. Nach Ansicht von Rüsen sollte daher immer bedacht werden,
welche Zukunftsängste und welcher Gesichtsverlust der "ausgetauschten"
oder "degradierten" Familienmitglieder mit Entscheidungen eines
Krisenmanagements einhergehen, wenn die Lösungen mittel- bis langfristig
tragfähig sein sollen.

"In Familienunternehmen mit einer ausgeprägten Familiendynamik besteht die
Aufgabe eines externen Krisenmanagements neben den klassischen Inhalten
wie Liquiditätssicherung, Effizienzsteigerung und strategischer
Neuausrichtung in einem situationsadäquaten Familienmanagement", so Rüsen.
Die Inhalte reichen dabei über eine intensive Kommunikation mit
nicht-aktiven Gesellschaftern über die notwendigen Veränderungen im
Unternehmen, Mediations-Work-Shops zur Streitschlichtung bis hin zu einem
an die systemische Familientherapie angelehnten professionellen
Familiencoaching.

Informationen:
Wittener Institut für Familienunternehmen,
Tom A. Rüsen
Tel.: +49-172-8957879,
» tom.ruesen@uni-wh.de;
Prof. Dr. Arist von Schlippe,
Tel.: +49-2302 - 926-513 (Sekr.),
» schlippe@uni-wh.de,
Internet:
» www.uni-wh.de/wifu


(2006-08-25)


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