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und betrieblicher Wirklichkeit

Pressemitteilung vom 12. November 2007

Studie des Deutschen Instituts für kleine und mittlere Unternehmen im Auftrag der
Friedrich-Ebert-Stiftung zu den Auswirkungen eines Mindestlohns in kleinen und mittleren Unternehmen


Nur wenige wirtschaftspolitische Diskussionen wurden in den vergangenen Jahren in
Deutschland so kontrovers und emotional geführt wie die Debatte um gesetzliche
Mindestlöhne. Doch was geschieht wirklich in den Betrieben, wenn der Mindestlohn
kommt – gerade in den 3 Mio. kleinen Betrieben in Deutschland? Droht eine Pleitewelle,
werden Mitarbeiter entlassen oder werden die Unternehmen Auswege finden?
Das Deutsche Institut für kleine und mittlere Unternehmen hat im Auftrag der Friedrich-
Ebert-Stiftung die Auswirkungen eines Mindestlohns auf kleine mittelständische
Unternehmen bestimmt und eine große Zahl von Unternehmern nach Ihren Reaktionen
bei Einführung eines Mindestlohns befragt.


Die wesentlichen Ergebnisse der Studie:
Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns vernichtet keine Arbeitsplätze. In
vielen Betrieben würden Mindestlöhne kaum Probleme bereiten, da sie im Rahmen
üblicher anderer Kostensteigerungen ausfallen (einen Mindestlohn von 7,50
EUR/Std. vorausgesetzt).
Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns ist primär ein Problem für KMU in
den neuen Bundesländern, insbesondere in den Grenzregionen nach Ost- und
Mitteleuropa.
Bei der Bestimmung der Mindestlohnhöhe sollte daher ein regionaler Lebenshaltungskostenindex
Anwendung finden. Eine Differenzierung nach dem Lebenshaltungskostenindex
würde dazu führen, dass Betriebe an „Hochpreisstandorten“
(z. B. München) tendenziell stärker belastet werden und gleichzeitig Betriebe in
ländlichen, in ostdeutschen und grenznahen Regionen tendenziell entlastet werden.
Eine derartige Differenzierung wäre eine Förderung des Standorts
Ostdeutschland.
In fünf der sieben untersuchten Branchen sind Preiserhöhungen die wahrscheinlichste
Reaktion, um die höheren Personalkosten zu kompensieren. Dass dieser
Weg von den Unternehmen als nahe liegend gesehen wird, ist in den Erfahrungen
aus der Euro-Umstellung (insb. in Gastronomie und Bäckereihandwerk) sowie
bei den jüngsten Preiserhöhungen für Lebensmittel begründet, die keine allzu
großen Reaktionen der Kunden bewirkt haben.
Die Einführung eines Mindestlohns treibt die Spezialisierung der Unternehmen
voran. Um einem direkten Preisvergleich auszuweichen und die höhere Preisbereitschaft
bei Kunden zu nutzen, werden viele Betriebe versuchen, als Spezialoder
Nischenanbieter am Markt aufzutreten. Auch im Handel und in der Gastronomie
kann ein Ausweichen auf höherpreisige Marktsegmente erwartet werden.
Die Einführung von Mindestlöhnen wird vielfach zu (auch heute schon praktizierten)
„innovativen“ und z. T. auch illegalen Wegen führen, mögliche Kostensteigerungen
auszugleichen oder zu umgehen, wie z.B.
- tariflich nicht vereinbarte Arbeitszeitverlängerungen
- Schwarzarbeit
- Einbehalt von Überstunden- und Nachtzuschlägen
- Einsammeln von Trinkgeldern und deren Anrechnung als faktischer
Lohnanteil
- Umgehungen sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse


Mehr zu den Ergebnissen finden Sie in der Studie
„Auswirkungen eines Mindestlohns auf kleine und mittlere Unternehmen -
Eine betriebswirtschaftliche Analyse nach Branchen, Betriebstypen und
Standorten“


Die komplette Studie ist unter http://library.fes.de/pdf-files/wiso/04965.pdf erhältlich.
Die Print-Version kann bei claudia.unkelbach@fes.de bestellt werden.
Für Rückfragen, Interviews oder Gastbeiträge wenden Sie sich bitte an:
Alexander Tirpitz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Deutsches Institut für kleine und
mittlere Unternehmen, Tel.: +49 / 30 / 89 408 – 421, Email: a.tirpitz@dikmu.de


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