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SPD Politikerin wird der politischen Abschlusskundgebung nach der Christopher Street Day (CSD) Parade am 19.08. beiwohnen.

Die ehemalige Bundesjustizministerin Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin (SPD) übernimmt die diesjährige Schirmherrschaft zum Christopher Street Day (CSD), welcher vom 11. bis 20. August 2006 unter dem Motto „Bist du auch normal?“ in der Landeshauptstadt stattfindet. Die engagierte Politikerin tritt damit die Nachfolge von Andreas Renner (CDU) an, welcher als baden-württembergischer Sozialminister dieses wichtige Amt im vergangenen Jahr innehatte. Er löste damit eine hitzige Diskussion innerhalb seiner Partei und dem gesamten Land aus.

Auch Herta Däubler-Gmelin wurde aufgrund der Schirmherrschaftsübernahme kritisiert: „Im Vorfeld haben mir ärgerliche Männer geschrieben, ich solle mich doch lieber um Familien kümmern. Für Schwule und Lesben werde in unserem Land doch `sowieso viel zu viel´ getan; von Diskriminierung könne nicht mehr die Rede sein“, berichtet die Bundesministerin a.D. Ihre klare Antwort: „…einfach selbst nach Stuttgart zum CSD kommen und sich dort überzeugen…“ wie „normal“ doch alle sind und wie viele Schwule und Lesben Verantwortung für sich und andere in vielfältigen Familienentwürfen übernehmen.

„Der CSD ist ja längst zu einer Tradition geworden, auch in Stuttgart – und das ist gut so. Man sollte es ja nicht glauben, aber es gibt auch bei uns immer noch Leute, die sich darüber aufregen. Schon das zeigt, wie wichtig er ist“, schreibt die diesjährige Schirmherrin in ihrem ausführlichen Grußwort, welches ab sofort auf der CSD Website unter » www.csd-stuttgart.de nachzulesen ist.

Herta Däubler-Gmelin wird außerdem als Rednerin der politischen Abschlusskundgebung der großen CSD Parade am Samstag, 19. August 2006 ab 18:00 Uhr auf dem Stuttgarter Schlossplatz (Planie) beiwohnen.

„Wir freuen uns sehr über unsere diesjährige Schirmherrin“, erklärt Christoph Michl, Vorstand der IG CSD Stuttgart e.V., zum Engagement von Frau Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin. „Nach einem Landesminister im letzten Jahr freuen wir uns nun über eine ehemalige Bundesministerin. Dies wird den Anliegen der schwul-lesbischen Bewegung – nicht nur in Baden-Württemberg – weiteres Gewicht verleihen“, so Michl. „Frau Däubler-Gmelin hat den Mut und die Courage, auch brisante Themen anzufassen und klar Stellung zu beziehen. Das zeigt ihr ausgesprochen persönliches Grußwort zum CSD Stuttgart und passt ideal zu unserer Veranstaltung.“

Als Abgeordnete in Berlin vertritt Herta Däubler-Gmelin unter anderem die Interessen ihres baden-württembergischen Wahlkreises Tübingen-Hechingen. Sie leitet im Deutschen Bundestag den Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Außerdem sitzt Frau Däubler-Gmelin dem Gesprächskreis Afrika in der SPD Bundestagsfraktion vor. Als seit 30 Jahren zugelassene Rechtsanwältin kümmert sie sich besonders um die Hilfe und den Schutz für Schwächere („Das Recht ist der Schutz der Schwachen“). Aber auch die Menschen- und Bürgerrechte sowie die Durchsetzung der Stärke des Rechts weltweit liegen ihr am Herzen. Dazu gehört auch die Ausgestaltung der Europäischen Union zu einer demokratisch, sozial und rechtsstaatlich verfassten Gemeinschaft.

Mit seinem 10-tägigen Programm hat sich der CSD Stuttgart zu einem politischen und kulturellen Highlight in Stuttgart entwickelt. Bereits seit dem Jahr 2000 gehen Schwule und Lesben hier regelmäßig auf die Straße um für mehr Gleichberechtigung, weniger Diskriminierung und mehr Akzeptanz zu demonstrieren. Im letzten Jahr verfolgten laut Polizeiangaben mehr als 140.000 Besucher die politische Parade.


Über die IG CSD Stuttgart e.V.
Die Interessengemeinschaft CSD Stuttgart e.V. ist Veranstalter des jährlichen Christopher Street Day (CSD) in der Landeshauptstadt. Der Vereinszweck (VR 6575) ist es, die Öffentlichkeit über die Lebensbedingungen von gesellschaftlichen Minderheiten insbesondere homo-, bisexueller und transgender Menschen aufzuklären. Der Verein verfolgt dies insbesondere dadurch, dass er öffentliche Veranstaltungen, wie die politische CSD Parade durchführt, bei denen die Vielfalt und die vorhandenen Probleme sichtbar gemacht werden. Durch aktive Presse- und Medienarbeit sowie ein ausgefeiltes Werbekonzept macht der CSD lautstark auf sich und seine Klientel aufmerksam – immer mit dem Ziel, realistisch und hautnah über die Lebensweisen der homosexuellen Bevölkerung zu informieren und Vorurteile abzubauen. Damit wird nicht nur dem Vereinsziel Rechnung getragen, sondern auch die Landeshauptstadt in ein weltoffenes Licht gerückt. Standortwerbung einmal anders. Im letzten Jahr verfolgten laut Angaben der Stuttgarter Polizei etwa 140.000 Zuschauer die CSD Parade in der Innenstadt. » www.csd-stuttgart.de


Bildmaterial: Druckfähiges und freigegebenes Bildmaterial zum CSD Stuttgart steht online unter » http://www.csd-stuttgart.de/csd2006/html/pressebilder.html zum Download bereit.


Pressekontakt: Christoph Michl, Vorstand & Gesamtleitung
Telefon: +49 179 7868556
E-Mail: » presse@csd-stuttgart.de
IG CSD Stuttgart e.V., Weißenburgstr. 28a, 70180 Stuttgart


Für weitere Informationen, Interviews und Bildmaterial stehen wir Ihnen sehr gerne zur Verfügung.


(2006-07-17)

Grußwort Schirmherrin Herta Däubler-Gmelin:

Liebe Schwule und Lesben,
liebe Freunde und Gäste des Christopher Street Days in Stuttgart

Ich freue mich sehr, dass der CSD auch in diesem Jahr wieder stattfindet und habe die Schirmherrschaft gerne übernommen.

Der CSD ist ja längst zu einer Tradition geworden, auch in Stuttgart – und das ist gut so.
Man sollte es ja nicht glauben, aber es gibt auch bei uns immer noch Leute, die sich darüber aufregen. Schon das zeigt, wie wichtig er ist.

Der CSD ist wichtig,weil er uns immer wieder vor Augen führt, wie wichtig es ist, gegen Diskriminierung vorzugehen;
Er ist wichtig, weil er ein Fest ist, an dem viele Menschen mit homosexueller Orientierung zusammenkommen und sich bei ganz verschiedenen, vielfältigen Veranstaltungen treffen und miteinander feiern, die sich im Alltag sonst nicht so häufig begegnen.
Und er ist wichtig,weil manche Menschen mit heterosexueller Orientierung immer noch meinen, die ihre sei „normal“, aber eine andere nicht. Sie alle haben jetzt die Möglichkeit, selbst zu erleben, dass ihre Meinung ein Vorurteil ist, sie können begreifen, dass die alte Auffassung von „Wir“ (gleich gut) und „Ihr“ (gleich Minderheit, gleich Misstrauen oder Ablehnung) endlich auf den Müll des überlebten Denkens gehört.
Im Vorfeld haben mir ärgerliche Männer geschrieben, ich solle mich doch lieber um Familien kümmern. Für Schwule und Lesben werde in unserem Land doch „sowieso viel zu viel“ getan; von Diskriminierung könne nicht mehr die Rede sein.

Natürlich habe ich denen geantwortet, sie sollten doch einfach selbst nach Stuttgart zum CSD kommen, an Veranstaltungen teilnehmen und sich dort überzeugen, wie „normal“ Sie alle sind – und dass es immer mehr Schwule und Lesben gibt, die als „Familie“ mit Kindern zusammenleben, sich rührend um diese kümmern – und deshalb natürlich auch den Schutz und die Fürsorge brauchen, der für alle Familien in unserem Land so dringend nötig ist.

Es wäre schön, wenn es auch zu solchen Begegnungen käme. Auch das ist gut für unser Land.

Selbstverständlich bin ich auch froh – und ein bisschen stolz darauf –, dass wir mit den Gesetzen der rot-grünen Regierung große Schritte zum Abbau von Diskriminierung tun konnten. Und dass wir, das war ja die zusätzliche Absicht und Wirkung unseres Gesetzes über Lebenspartnerschaften, damit auch zur Unterstützung personaler Bindungen beitragen.

Aber wir wissen halt auch: Gesetze sind wichtig, aber der gelebte Alltag ist entscheidend.
Es stimmt: In den letzten Jahren hat sich viel verändert – aber Diskriminierung gibt es immer noch. Die müssen wir bekämpfen – ebenso wie Vorurteile.

Wie schwierig das sein kann hat erst vor einigen Wochen die peinlich qualvolle Diskussion um die ja völlig harm- und zahnlose Antidiskriminierungsgesetzgebung gezeigt:
Immer noch nehmen sich die gewählten oder selbsternannten politischen Vertreter von Eigentum und wirtschaftlicher Macht noch heraus, nach Gutsherrenart zu bestimmen, Menschen nach Merkmalen wie z.B. der sexuellen Orientierung zu sortieren und zu diskriminieren, obwohl die seit mehr als 50 Jahren durch unsere Verfassung und mittlerweile auch durch Menschenrechtskonventionen des Europarates und der Vereinten Nationen genau nicht zur Diskriminierung genutzt werden dürfen.

Da gibt es sogar noch Landesjustizminister, die Antidiskriminierungsgesetze als „Ausgeburt eines kranken Gehirns“ bezeichnet haben. Ist das die „Normalität“, eine verquere, ja perverse Normalität, die sie uns allen aufdrücken wollen?

Im Bundesausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe des Deutschen Bundestages arbeiten Abgeordnete aller Parteien zusammen, die sich besonders für Menschenrechte einsetzen.
In diesem Ausschuss teilen alle die Auffassung, dass es Schluss sein muss mit Diskriminierung, mit Ausgrenzung und mit der durch Macht oder Interessen bedingten einseitigen Bestimmungen von „Normalität“ zu Lasten von Minderheiten.

Die wollen wir nicht; das will unsere Rechts- und Verfassungsordnung nicht – das muss auch im Alltag gelten.

Im übrigen sehen wir Tag für Tag, wie brandgefährlich alte Vorurteile ganz schnell wieder werden können:
Angriffe auf Schwule und Lesben kommen auch bei uns immer wieder vor – leider berichten unsere Medien derzeit kaum mehr darüber.

Viel schlimmer jedoch sind die Verhältnisse noch in einigen Ländern der Europäischen Union oder des Europarates, obwohl die Bestimmungen ihrer eigenen Verfassungen völlig eindeutig sind und obwohl sie alle die Menschenrechtskonventionen unterschrieben und ratifiziert haben, die das verbieten: Polen hat solche Probleme, in Russland kommt es immer noch vor, dass Demonstrationen von Schwulen und Lesben ungeschützt für Angriffe rechtsextremer Schläger freigegeben werden.

Hier ist noch viel zu tun.

In Ländern mit anderen Kulturen, in denen religiöse Eiferer sich der staatlichen Gewalt bemächtigen, gilt das in vielfach stärkerer Weise, beileibe übrigens nicht allein in muslimisch orientierten Ländern.

Weil das so ist, ist es gut, dass jedes Jahr der Christopher Street Day gefeiert wird.
Gerade auch bei uns in Deutschland. Gerade auch bei uns in Stuttgart.

Ich hoffe und wünsche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dass es ein interessantes Fest mit viel spannenden und schönen Begegnungen wird – und ich freue mich, Sie alle bei der Abschlusskundgebung zu sehen.

Beste Grüße
Ihre

Herta Däubler-Gmelin
Bundesministerin a.D.
Vorsitzende des Ausschusses für Menschenrechte
und Humanitäre Hilfe im Deutschen Bundestag


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