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Die aktuelle Diskussion über die Universalität von Werten.

In weiten Teilen der sogenannten Wertedebatte bleibt die Frage außen vor, was denn überhaupt etwas zu einem Wert mache. Es wird so getan, als sei die Rede von Werten etwas, das sich von selbst verstehe. Man diskutiert, als könne man eine Antwort auf die derart gar nicht erst gestellte Frage geradezu axiomatisch voraussetzen. Dies feststellend, wundert es dann umso mehr, dass im gleichen Atemzug von „Freiheit„ als einem „umstrittenen Grundwert„ gesprochen wird. Die Folgen sind fatal.

Mit einer solcherart mangelhaften Bemühung um eine hinreichende Klärung des Wertbegriffs hängt zusammen, dass in auffälliger Regelmäßigkeit nicht deutlich unterschieden wird zwischen dem „Wert„ im Sinne von Gegenwert oder Preis auf der einen, und „Wert„ im Sinne eines Gutes auf der anderen Seite. Daran wiederum hängt, dass es kaum einmal auffällt (bzw. geäußert wird), welche Gemeinsamkeit beiden Auffassungen und Redeweisen von „Wert„ eigentümlich ist: dass sie sich nämlich jeweils der Forderung nach Rechtfertigung und Begründung zu stellen haben. Ebenso harrt die dringliche Frage der schlüssigen und zufriedenstellenden Beantwortung, auf welcher Grundlage letztlich entschieden wird, was ein Wert ist und was nicht. Als „Wert„ erklärt sich etwas nämlich nicht autark und selbstbezüglich, sondern stets für etwas anderes oder zu etwas anderem. Und dieses „Etwas„ muss bestimmt werden können. Es muss – zumindest prinzipiell - angebbar und benennbar sein. Und dieses (jeweilige) „Etw! as„ muss der Prüfung auf Widerspruchsfreiheit, Notwendigkeit und Allgemeingültigkeit standhalten, um dem Verdacht der Beliebigkeit entgehen zu können.

Als Indizien für diesen Befund mögen bereits harmlos und unverdächtig erscheinende Begriffsbeispiele wie „erstrebens-wert„, „wert-voll„, „liebens-wert„ oder „wert-geschätzt„ angeführt werden. Denn bei genauerem Hinsehen handelt es sich in allen Fällen um durchaus verräterische Formulierungen, in denen – meist unausgesprochen - eine erhebliche Begründungsnot bereits entscheidend mitenthalten ist: die Frage nach dem Warum des Werthaften stellt sich beim aufmerksamen Diskussionsteilnehmer zwangsläufig ein.

Worum es im Zusammenhang der sogenannten „Wertedebatte„ geht (bzw. gehen sollte und nur gehen kann), ist letztlich dasjenige, was das Miteinander von Menschen ermöglicht. Es gilt, Gebote oder Regeln für Verhaltensweisen, Einstellungen und Erwartungen aufzuweisen und einsehen zu können, die für alle vernunftbegabten Lebewesen verbindlich sind. Worum es jedoch unverständlicherweise meistens in aktuellen öffentlichen Beiträgen zur „Werteproblematik„ geht, ist das weite Feld des Üblichen, Immer-Schon-So-Gewesenen, Sich-Bewährt-Habenden, Überlieferten, Traditionellen („Konservativen„) - kurz, das dogmatische und dabei jederzeit kontingente Verweisen und Beharren auf normativen Vorschriften oder Empfehlungen, auf demjenigen also, was für eine – auch wiederum beliebige - Mehrheit als Norm fungiert, die als Entscheidungsinstanz herhalten soll. Unter dem Titel der „Werte„ wird dann als für „gut„ zu befinden dasjenige gefasst, was alle, die meisten oder irgendeine beliebige Gruppe (z.! B. von Menschen einer jeweiligen religiösen Ausrichtung) „so„ machen oder sehen (und immer schon „so„ gemacht oder gesehen haben). Der Verweis auf „alle„ oder auch „andere„ scheint als Kriterium dafür herhalten zu sollen, dass etwas zweckdienlich, geeignet bzw. gut oder - wenn man so will - wert, und damit ein Wert ist (und vor genau diesem Hintergrund ist es nicht nur unüblich, sondern geradezu unangebracht, nicht von der „Würde des Menschen„, sondern etwa vom „Menschenwert„ zu sprechen).

Die grundlegende Klärung, erstens, zu welchem Zweck etwas für „gut„ Befundenes (ein „Wert„) gut oder wert ist, zweitens, ob dieser Zweck auch selbst das Prädikat „gut„ verdient, und drittens, ob das für „gut„ (oder „wert„) befundene Mittel zur Zweckverwirklichung taugt, wird in aller Regelmäßigkeit bei den meisten öffentlichen Äußerungen zum Thema „Werte„ vernachlässigt bzw. unterlassen – beispielhaft feststellbar an nicht selten gezogenen Vergleichen mit „anderen Nationen„, die anscheinend in besonderem Maße gerne bei Themen der Bildungs-, Wirtschafts-, Gesundheits- und Familienpolitik zur vermeintlichen Untermauerung beliebiger Absichten ins Spiel gebracht werden („Die Anderen stehen im Stall„: in diesem Zusammenhang verdient es diese in ihrer Nonchalance „den Nagel auf den Kopf treffende„ Redewendung in Erinnerung gerufen zu werden, die nichts anderes aussagt, als dass niemand durch den bloßen Verweis auf das Denken und Tun einer wie auch immer gearteten „anderen„ oder „f! remden„ Entscheidungsinstanz der Rechtfertigung und des Erweises der Richtigkeit von eigenen Entscheidungen und Handlungsabsichten entledigt ist). Denn wenn es um mehr oder weniger konkrete Anwendungsbeispiele für Gefordertes geht, eignen sich die überlieferte Lebensgeschichte des Buddha, die Veden, die Upanishaden, die Tora, der Koran, die Viten von (christlichen) Heiligen nicht weniger oder mehr, sondern mindestens genauso gut wie das Alte oder das Neue Testament, oder auch Brechts „Guter Mensch von Sezuan„ oder Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker„, um nur wenige Beispiele anzuführen.

Es handelt sich bei zahlreichen, stichwortartig unter dem Titel der „Werte„ immer wieder aufgezählten Begriffen keineswegs um beliebige kontingente Empfehlungen, die aufgrund ihrer Relevanz in bestimmten Schriften oder Glaubensrichtungen Geltung beanspruchen könnten, sondern um dezidierte Pflichten, die einzig aufgrund ihrer unbedingten Vernunftgebotenheit, dem Menschen qua Menschsein zugehörig, faktisch universal und unbedingt („unverbrüchlich„) gültig sind. So kommt z.B. dem Lügenverbot mitnichten deshalb schon Geltung zu, weil es eines der 10 Gebote ist. Zum Erweis seiner unbedingten allgemeinen Geltung bedarf es gerade nicht des Abstellens auf christliche (oder sonstige religiöse oder weltanschauliche) Fundiertheit - denn das wäre in der Tat nur der Aufweis bedingter und partikularer Geltung. Und von eben solcher gilt es, hinreichend Abstand zu halten.

Diese und weitere Überlegungen finden sich in der Juniausgabe des von dem Bonner Beratungsunternehmen Apeiron herausgegebenen „Philosophiemonatsbriefes„. Auf der Homepage des Unternehmens lässt sich die digitale Publikation zu philosophischen Themen kostenfrei via Email abonnieren. Behandelt wird jeweils ein klassisches philosophisches Thema anhand aktueller Diskussionen aus Politik und Gesellschaft. Abgerundet wird die Publikation mit einem Literaturtipp. Die aktuelle Ausgabe kann kostenfrei bestellt werden unter » http://www.philosophieberatung.de - zusätzlich steht auch noch die Ausgabe Mai unter » http://www.philosophieberatung.de/pbf_05-06.pdf zum Download bereit. Alle Vormonate finden sich darüber hinaus im Online-Archiv.


Hintergrund:
Apeiron Philosophieberatung, gegründet von der Bonner Philosophin Renate Miethner, ist ein dezidiert philosophisch ausgerichtetes Beratungsunternehmen. Renate Miethner studierte Philosophie an der Rheinischen Friedrich-Wilhems-Universität Bonn und arbeitete ausführlich über Kant und die erkenntnistheoretischen Ansätze des deutschen Idealismus. Seit 2005 praktiziert sie philosophische Beratung für Unternehmen, Journalisten, Politiktreibende und Privatpersonen.


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(2006-06-22)


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