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Über Perspektiven für einen konstruktiven Umgang mit „dem Fremden“ diskutierten Psychoanalytiker und Soziologen in der Donau-Universität Krems

Krems (kpr). In welchem Zusammenhang stehen das „Fremde in uns“ und unser Umgang mit dem „Fremden um uns“ und welchen Beitrag kann die Psychoanalyse zum besseren Verständnis anderer Kulturen leisten? Die zentralen Fragen des Diskussionsabends „Das innere Ausland“ behandelten der Soziologe Prof. Dr. Helmut Dahmer und Psychoanalytiker Dr. Georg Fodor am Freitag, dem 26. Jänner 2007, in der Donau-Universität Krems.

„Das innere Ausland“ ist ein von Sigmund Freud geprägter Begriff, den er als Umschreibung für das Unbewusste verwendete. Inwiefern innerpsychische Prozesse ihre Entsprechung in gesellschaftlichen Absperrungen, Ausgrenzungen und der Ghettoisierung von Minderheiten haben, erläuterte Helmut Dahmer. Seiner Ansicht nach reagieren Individuen und Gesellschaften ähnlich auf innere psychische und äußere Konfrontationen mit Unbekanntem, z.B. MigrantInnen: mit verstärkten realen oder mentalen „Grenzbefestigungen“.

Grenzziehungen auch innerhalb von Nationalstaaten
Fodor wies darauf hin, dass auch innerhalb von Nationalstaaten Grenzen gezogen oder reale Mauern errichtet würden, etwa in Gefängnissen wie der neben der Donau-Universität Krems gelegenen Justizanstalt Stein. Als forensischer Psychiater habe er sich fremd gegenüber den Straftätigen gefühlt und sich sehr bemühen musste, Brücken zu ihnen aufzubauen, so Fodor. Dennoch gebe es Verbindungen, die – genauso wie die Fremdheit gegenüber Angehörigen anderer Kulturen – in Zusammenhang mit dem Umgang mit dem eigenen Unbewussten stünden.

Sehnsucht nach „imaginärer Homogenität“
Zentraler Begriff der Diskussion war das Thema „Identität“. Während Fodor in der Entwicklung einer gefestigten „Ich-Identität“ eine Perspektive für einen konstruktiven Umgang mit dem Fremden sah, betonte Dahmer das Illusionäre einer Vorstellung von persönlicher Identität. „Identität ist vielmehr plural und prozesshaft, denn sie transformiert sich ständig im Laufe des Lebens“, sagte Dahmer. Das Problem bestehe gerade darin, dass Menschen heute eine nationale, religiöse, kulturelle, ethnische und sonstige Identität von außen aufgezwungen werde. Die verbreitete Sehnsucht nach einem allmächtigen Versorgungsstaat, der die „Einheimischen“, die „Volksgemeinschaft“ gegen alle anderen schütze und und privilegiere, sei als Sehnsucht nach einer „imaginären Homogenität“ zu verstehen. In diese flüchte man, wenn die reale Vielfalt, Komplexität und Unsicherheit unerträglich schienen, so der Soziologe.

An der Diskussion zwischen Dahmer und Fodor beteiligten sich auch zahlreiche Studierende des Studiengangs „Interkulturelle Kompetenzen“, in dessen Rahmen die Veranstaltung stattfand. (29.01.07)





Rückfragen
Sandra Lagler
Fachbereich „Interkulturelle Studien“
Donau-Universität Krems
Tel. +43 (0)2732 893-2568
sandra.lagler@donau-uni.ac.at
» www.donau-uni.ac.at/ikk


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