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Spielarten einer Begrifflichkeit aus Sicht der Philosophie


In diesen Tagen erfreut sich jenes Gefühlssammelsurium, das unter dem selten genauer beleuchteten Begriff des Stolzes gefasst wird, eines besonders inflationären Auftauchens in der öffentlichen Diskussion. Schon werden Stimmen laut, die zwischen verschreckter Warnhaltung und schlichter Spielverderberei pendeln, ohne dass so ganz genau gewusst wird, um was für ein Phänomen es sich da momentan genau handelt. Aber nicht nur im Zusammenhang von Sportgroßereignissen wie der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft gehört Stolz zu denjenigen Begriffen, deren Bedeutung eine genauere Betrachtung verdient - denn das Spektrum ist ein weites.

Spricht man alltäglich davon, jemand sei „zu stolz„, um etwas zu tun, z.B. jemand sei zu stolz, Hilfe zu erbitten oder anzunehmen, mangelnde Kenntnis einzugestehen, oder sich zu bedanken, bezeichnet man - oftmals mit ironischem oder verächtlichem Unterklang - eine (unbegründete) Haltung der Überheblichkeit, Selbstgefälligkeit und –gerechtigkeit, sowie fehlender Bereitschaft zur Kenntnisnahme oder Annahme von (Selbst-)Kritik. Als lasterhafte Eigenschaft, deren Verlockungen der Mensch sich möglicherweise niemals gänzlich entziehen können wird, stellt „Stolz„ als Hochmut, fehlende Bescheidenheit (oder Demut), Eigendünkel, fehlende Anerkenntnis der faktischen Endlichkeit und Kreatürlichkeit eines jeden menschlichen Wesens in christlicher Überzeugung die (Ur-)Sünde schlechthin dar.

Davon unterschieden werden muss das situationsbezogene Gefühl des Stolzes auf etwas bzw. jemanden, das streng genommen Anerkenntnis, (Hoch-)Achtung, Respekt oder Lobbekundung heißen sollte. Statt des Stolz-Seins auf jemanden, der durch Leistung und Fähigkeit oder das Bestehen trotz widriger Umstände Lob verdient hat, dem also aufgrund besonderen Tuns Anerkennung gebührt, sollte genauer vom Bewundern gesprochen werden. Insofern zudem stets beim menschlichen Handeln zufällige Begleitumstände zumindest nicht irrelevant sind für Gelingen oder Misslingen, sollte immer auch zum gehabten (Zufalls-)Glück gratuliert bzw. dessen gedacht werden.

Im strengen Sinne stolz sein kann man ausschließlich auf Leistungen, die man selbst erbracht hat. Stolz sein auf jemand anderen oder auf etwas meint den Beitrag, den man selbst zum Zustandekommen des zu lobenden Ergebnisses oder des zu bewundernden Zustandes geleistet hat bzw. geleistet zu haben meint. Was einem selbst, was anderen, was jeweiligen Umständen zu verdanken oder zuzurechnen ist, lässt sich vom und für den Menschen bei keiner einzigen Handlung oder Begebenheit abschließend und mit letzter Gewissheit offen legen - zumindest bislang und auf absehbare Zeit nicht.

Stolz zu sein, z.B. auf seine Kinder oder seine Schüler, bedeutet demnach stolz zu sein auf den Beitrag, den man geleistet hat und leisten durfte zur Ermöglichung derer Entwicklung zu „guten„ Menschen, zur Entfaltung diverser je eigener Begabungen. Stolz zu sein auf z.B. seinen Hund meint, seinen eigenen Beitrag anerkennen und für gelungen befinden, für ein entsprechendes artgerechtes Aufwachsen und Entwickeln des Lebewesens Sorge zu tragen und sich um die Ausübung und Verbesserung von artspezifischen Fähigkeiten zu kümmern. Freut man sich über sein ansehnliches Haus mit dazugehörigem Garten und spricht diesbezüglich von Stolz, so meint man die Zufriedenheit, die Anerkennung, vielleicht die Bewunderung, dass man es – auf welche Weise auch immer - geschafft hat, sich entsprechenden Besitz anzuschaffen und für den Erhalt dessen ansprechenden Zustandes zu sorgen.

Entsprechend sind Forderungen nach Stolz auf sein jeweiliges Heimatland, im Sinne eines „Nationalstolzes„ zu betrachten. Von „Nationalismus„ zu reden, wird meist mit der Begründung als unpassend abgelehnt, dieser sei Ausdruck eines „übersteigerten„ Nationalstolzes oder –gefühls.

Dabei ist die „Übertreibung„ oder „Übersteigerung„ nicht der ausschlaggebende Punkt, der die Rede vom Stolz auf ein bestimmtes Staatsgebilde verbieten sollte, sondern die Tatsache, dass Stolz einem jeden Menschen nur in Bezug auf seine eigenen Leistungen bzw. Beiträge zu anderer Leistung (bzw. Zustandekommen und Erhalt gewisser Begebenheiten wie einer in rechtsstaatlichen Verhältnissen lebenden Gesellschaft) gewährt sein sollte - stets die völlige Zufälligkeit berücksichtigend, gerade zu der betreffenden Zeit an dem betreffenden Fleckchen Erde leben zu dürfen als eine Kreatur unter vielen, die ihren jeweiligen aktuellen Status wiederum bedingten kontingenten Umständen verdankt.

Bei sportlichen Wettbewerben wie der Fußball-Weltmeisterschaft können einzelne Leistungserbringer (also Sportler oder Spieler) von sich behaupten, stolz auf die von ihnen erbrachte Leistung zu sein. Als nicht mitspielender Interessent oder „Begeisterter„ kann man allenfalls stolz sein auf den wohl mittelbar zu nennenden Beitrag, den man durch finanzielle Aufwendungen und Interessebekundungen beigesteuert haben mag.

Warum es bei sportlichen und anderen Wettbewerben nicht statt um Nationen, Regionen, Städte u.ä. um auf den jeweiligen Gebieten herausragende Fähigkeiten geht, ist kaum nachzuvollziehen, setzt man doch als Priorität die Freude, die „Leidenschaft„ für die jeweilige Tätigkeit oder „Sache„. Das Kriterium für Teilnahmeberechtigung an einem Wettbewerb welcher Art auch immer liegt doch (bestenfalls) ohnehin einzig und allein im Erweis der entsprechenden Leistungen und Fähigkeiten. Ganz unabhängig von Herkunft, religiöser Überzeugung, Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Neigung etc. geht es um den Vergleich von Könnern oder Experten auf den jeweiligen Gebieten. Einzelne Personen, die nicht als „Vertreter„ einer bestimmten Nation antreten, sondern als einzelne Menschen für sich selbst oder als bunt zusammengewürfelte Gruppen, geeint durch die jeweilige Aufgabe, der man sich stellt, würden gar unvoreingenommene Bewunderung von herausragenden Leistungen ermöglichen. Statt stolz zu sein a! uf Nationen würde man sich an der jeweiligen Sache freuen und neidlos im Vergleich stehende Fertigkeiten anerkennen und bewundern können – und das immer mit der Rolle des Zufallsglücks im Hinterkopf.



Diese und weitere Überlegungen finden sich in der Juliausgabe des von dem Bonner Beratungsunternehmen Apeiron herausgegebenen „Philosophiemonatsbriefes„. Auf der Homepage des Unternehmens lässt sich die digitale Publikation zu philosophischen Themen kostenfrei via Email abonnieren. Behandelt wird jeweils ein klassisches philosophisches Thema anhand aktueller Diskussionen aus Politik und Gesellschaft. Abgerundet wird die Publikation mit einem Literaturtipp. Die aktuelle Ausgabe kann kostenfrei bestellt werden unter http://www.philosophieberatung.de - zusätzlich steht auch noch die Ausgabe Juni unter http://www.philosophieberatung.de/pmbf_06-06.pdf zum Download bereit. Alle Vormonate finden sich darüber hinaus im Online-Archiv.


Apeiron Philosophieberatung, gegründet von der Bonner Philosophin Renate Miethner, ist ein dezidiert philosophisch ausgerichtetes Beratungsunternehmen. Renate Miethner studierte Philosophie an der Rheinischen Friedrich-Wilhems-Universität Bonn und arbeitete ausführlich über Kant und die erkenntnistheoretischen Ansätze des deutschen Idealismus. Seit 2005 praktiziert sie philosophische Beratung für Unternehmen, Journalisten, Politiktreibende und Privatpersonen.



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