Kann denn Liebe Sünde sein? Karl Mays „Buch der Liebe“

Wer den Namen Karl May hört, denkt an spannende Abenteuer, ferne Länder, große Helden und noch größere Schurken. Assoziationen an romantische Gefühle, erotische Fantasien oder die Sinnesfreuden der körperlichen Liebe gehören eher nicht dazu. Das wird sich wohl bald ändern, denn im Karl-May-Verlag wurde jetzt „Das Buch der Liebe“ veröffentlicht. Dass dieses aus der Feder des Radebeuler Autors stammt, mag man kaum glauben, behandelt es doch u. a. Themen wie Schwangerschaftstipps, Geschlechtskrankheiten und den Liebesakt. Muss die deutsche Literaturgeschichte also umgeschrieben werden? War Karl May nicht nur der geistige Vater Winnetous, sondern auch eine Art Sexualforscher?

Eine sehr erstaunliche Vorstellung – die mitnichten mit der Realität übereinstimmt. Karl-May-Verleger Bernhard Schmid erklärt schmunzelnd: „Die expliziteren Passagen in dem Buch stammen gar nicht von May selber, er hat diese lediglich überarbeitet. Seine eigentlichen Beiträge zum „Buch der Liebe“ sind sehr viel anspruchsvoller, beleuchten die Liebe in ihrer ganzen kulturgeschichtlichen, philosophischen und religiösen Vielfalt. Aber auch die vermeintlich anzüglichen Textpassagen sind für heutige Verhältnisse ehrlich gesagt relativ harmlos.“

Richtig ist, dass mit dem „Buch der Liebe“ die damalige strenge Zensur überlistetet werden sollte. Ein Teil des Werkes besteht nämlich aus dem Aufklärungsbuch \“Die Geschlechtskrankheiten des Menschen und ihre Heilung\“, welches 1874 anonym im Leipziger Verlag Münchmeyer erschienen war. Von der Zensur als zu anrüchig verurteilt, wurde dieses Buch umgehend verboten. Das aber wollte der Verleger Heinrich G. Münchmeyer nicht auf sich sitzen lassen und so gab er Karl May den Auftrag, das Buch in ein neues Gewand zu kleiden, um es unter einem neuen Titel wieder auf den Markt zu bringen. Mays Aufgabe bestand also vor allem darin, das heikle Aufklärungsbuch in viel unverdächtigem Text zu „verstecken“. Doch das war dem ehrgeizigen Autor nicht genug. Karl May arbeitete sich intensiv in die Materie ein, so dass die von ihm geschriebenen oder zusammengestellten Texte eine wesentlich umfassendere Perspektive auf das Phänomen der Liebe eröffneten. Darüber hinaus ging May mit wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit den großen Fragen nach Ursprung, Natur und Sinn der Schöpfung nach. Lediglich im Schlussteil nahm er auch von ihm nur wenig gemilderte lasziv-erotische Stellen aus einem anderen Münchmeyer-Werk über die Geschichte der Prostitution auf. 1875/76 war es soweit und das Werk erschien anonym unter neuem Titel. Doch so einfach ließ sich die Zensur nicht an der Nase herumführen. Schnell kam sie dem Schwindel und der Identität des Autors auf die Schliche und rückte zur Hausdurchsuchung bei Karl May an. Dieser wurde im Endeffekt freigesprochen, da er beweisen konnte, nichts Unsittliches zu dem Werk beigetragen zu haben. Das Buch wurde jedoch abermals verboten und erschien erst jetzt, rund 130 Jahre später, wieder als Band 87 der Gesammelten Werke im Karl-May-Verlag.

Das Buch stellt sicherlich eines der merkwürdigsten und erstaunlichsten Werke Karl Mays dar, zeigt es den Autor doch von einer ganz neuen Seite. Aber genau das macht „Das Buch der Liebe“ so spannend.
Auch wenn nicht damit zu rechnen ist, dass es ein weiteres Mal der Zensur zum Opfer fällt, sei allen Interessierten schnelles Zugreifen geraten: Als besonderen Leckerbissen bietet der Karl-May-Verlag das Buch mit verschiedenen Coverbildern an, eine der limitierten Varianten ist bereits vergriffen.

Karl May „Das Buch der Liebe“
ISBN 978-3-7802-0087-7
€ 15,90 // sFr 28,50

Über den Karl-May-Verlag (www.karl-may.de):
Der Karl-May-Verlag wird seit über 90 Jahren, jetzt in dritter Generation von der Gründerfamilie Schmid geführt. Inklusive Taschenbüchern und Lizenzausgaben wurden von Karl Mays Gesammelten Werken, die derzeit 87 Bände zählen, rund 80 Millionen Exemplare verlegt. Karl-May-Bücher wurden bisher in 40 Sprachen übersetzt. Karl May ist der meistgelesene Schriftstellern deutscher Sprache.

Kontakt Presse:

Johanna v. Vogel
Mumme + Ziegfeld GmbH
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