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| English Press Releases |


Beendet das Töten von Robben-Babys!

aktion tier und Tierhuus - Insel Föhr fordern eine Beendigung des Abschusses von neugeborenen Heulern.


Rein rechtlich scheint alles wunderbar für die Robbenjungtiere, Heuler genannt, die ihre Mutter verloren haben. Tatsächlich ist alles aber ganz anders, zumindest im hohen Norden Deutschlands.


Immer wieder werden Robbenjungtiere von ihren Müttern getrennt und zwar weil Robbenjäger die Mutter erschlagen haben, oder weil das Muttertier vor Motorbooten bzw. Wassersportlern in panischer Angst geflohen ist und die Jungtiere dabei verliert. Die Heuler sind ohne ihre Mutter hilflos und gehen elendig zu Grunde. Die ersten verlassenen Robbenbabys in diesem Jahr wurden bereits gefunden.


Jährlich, so Schätzungen, werden über 200 Heuler allein an der Küste Schleswig -Holsteins aufgefunden, die jämmerlich schreiend auf sich aufmerksam machen. Schleswig-Holstein hat eine „Richtlinie zur Behandlung von erkrankt, geschwächt oder verlassen aufgefundener Robben“ verfasst. Danach müssen(!) überlebensfähige Tiere zur Aufzucht in menschliche Obhut verbracht werden, was in Schleswig-Holstein in einer bekannten Seehundaufzuchtstation geschehen soll.


Tierschützern fiel nun auf, dass in dieser Aufzuchtstation über Jahre hinweg konstant um die 20 Jungtiere, aber nie mehr, aufgenommen wurden und ein größerer Bedarf an Aufzuchtplätzen auch nicht angemeldet wurde. Ganz anders war z.B. die Situation in der Niedersächsischen Aufzuchtstation Norddeich oder auch in der niederländischen Station Pieterbaren. Dort wurden stetig mehr Heuler aufgezogen und die Zahl der Aufzuchten schwankte innerhalb der Jahresvergleiche erheblich.


Da die Natur solche in Schleswig-Holstein festzustellenden Regelmäßigkeiten in der Wildtierpopulation im Allgemeinen nicht kennt und Tierschützer auch wissen, dass hilflos zurückgelassene Heuler nicht weniger, sondern eher mehr werden, gingen sie diesem schleswig-holsteinischen „Phänomen der konstanten Zahl“ in der Aufzuchtsstation in Friedrichskoog nach. Schnell wurde klar, dass diese Konstanz auf eine Regulierung durch die Seehundjäger zurückzuführen ist. Sie haben nach der oben erwähnten Verordnung die alleinige Befugnis festzustellen, welches der aufgefundenen Heuler „überlebensfähig“ ist und damit Kandidat für die Aufzuchtstation wird. Die Entscheidung treffen diese Seehundjäger unmittelbar vor Ort allein nach Augenscheinnahme, wohl wissend wie zur Zeit die Station mit Heulern belegt ist. Ist der Daumen des Jägers nach unten gerichtet, wird das Tier meist mittels Kopfschuss getötet. Janine Bahr von Tierhuus-Insel Föhr findet, dass dies „ein unerträglicher Zustand ist, da die Feststellung der „Überlebensfähigkeit“ eines aufgefundenen, hilflosen Heulers allzu offensichtlich von der aktuellen Auslastung der Aufzuchtsstation abhängig gemacht und tierärztlicher Rat und Hilfe vor Ort offiziell abgelehnt wird“.


In Niedersachsen und Holland treffen die Entscheidung bezüglich der Überlebenschancen der hilflosen Tiere Tierärzte in den jeweiligen Aufnahmestationen. Nach dortiger Ansicht haben allein die Veterinäre die Fähigkeit, über die Möglichkeit des Überlebens eines solch aufgefundenen Tieres zu entscheiden, und das natürlich unabhängig davon, wie viele bereits aufgefunden wurden.


Die daraufhin in Schleswig-Holstein geführte Öffentlichkeitsarbeit der Tierschützer bewirkte unverzüglich einen Anstieg der in der Aufzuchtstation aufgenommenen Heuler (statt den üblichen 20 im Jahr 2003, 47 Heuler, 70 Tiere im Jahr 2004, 55 Tiere im Jahr 2005), wobei aber an der bisher geübten und rechtlich so vorgesehenen Praxis, dass Jäger die Entscheidung über die Aufnahme treffen, festgehalten wurde. Insbesondere die Vertreter der Station selbst, rechtfertigten die gegebene Situation und attestierten den Robbenjägern ein tierschutzadäquates Verhalten. Auch die Tierärztekammer und die Ministerienvertreter wollen an der rechtlichen Situation festhalten. Judith Schmalzl von der Tierschutzorganisation aktion tier – Menschen für Tiere e.V. in München: „Durch Öffentlichkeitsarbeit möchten wir die Bevölkerung auf die Heuler-Problematik aufmerksam machen, damit sich die Situation für sie verbessert und Rückschritte vermieden werden. Fraglich ist auch, was mit den ca. 70% lebenden Heulern, die nicht aufgenommen werden geschieht. Deshalb muss der öffentliche Druck auf die Verantwortlichen im Umweltschutzministerium eher noch erhöht werden, damit auch dort eine Einsicht in das einzig Richtige einkehrt: Nämlich Tierärzte über die Überlebensfähigkeit eines Heulers entscheiden zu lassen.“


Die Tierschutzorganisation aktion tier – Menschen für Tiere e.V. ist mit 210.000 Mitgliedern und 200 Kooperationspartnern eine der größten Tier- und Artenschutzorganisationen Deutschlands.


Weitere Informationen bei:
Judith Schmalzl, aktion tier - Geschäftsstelle München, Tel.: 089-75969252 (Judith.Schmalzl@aktiontier.org),


Janine Bahr, Tierhuus-Insel Föhr e.V.,
Handy: 0177-3300077.
aktion tier – Menschen für Tiere e.V.
Pressestelle
Kaiserdamm 97
14057 Berlin
Tel.: 030-301038-33
Fax: 030-301038-34
www.aktiontier.org
Info@aktiontier-Pressestelle.org


(2006-06-30)


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