
James Bond 007: Ein Quantum Trost-losigkeit auf DVD?
Daniel Craig ist der neue Bond, James Bond. Gerade auf DVD und Blu-ray erschienen ist jetzt “Ein Quantum Trost”, das inzwischen 22. offizielle 007-Abenteuer mit dem unkonventionellen Geheimagenten, bei dem die Macher an den Erfolg von “Casino Royale” anknüpfen wollten. Immerhin handelt es sich hier um ein echtes Sequel, wo alle Beteiligten zeigen mussten, dass sie den Erfolg des Vorgängers einholen können. Doch das ist definitiv nicht gelungen.
Nicht nur eingefleischte Bond-Fans sind von dem Film enttäuscht und sprechen von einem “Quantum Trostlosigkeit”, denn in dem vermeintlichen Blockbuster gibt es zwar eine große Anzahl an exotischen Drehorten oder tollen Stunts aber das Fehlen jeglicher Bond-typischer Eigenheiten ist doch ein Stilbruch in der Tradition der Reihe. Während 007 bislang immer für seinen trockenen Humor, Hightech-Gadgets und Bond-Girls bekannt war, sucht man diese Standards im vorliegenden Streifen eigentlich vergebens bzw. findet diese nur in sehr geringen Dosen. Dafür gibt es jede Menge Action und der Spion bekommt ständig - man wird unweigerlich an Detektiv Matula erinnert - eins auf die Nase.
Während Bond in “Casino Royale” noch cool wirkte, erscheint er in “Ein Quantum Trost” roh. Das wundert natürlich nicht, denn er will ja eigentlich den Tod seiner Geliebten rächen, dass dabei gleichzeitig auch noch eine gefährliche Geheimorganisation aufgedeckt wird, liegt durchaus nahe. Dieser Film wurde vom Schweizer Regisseur Marc Foster inszeniert, der mit “Monsters Ball” bereits gezeigt hat, wie man mit einer tollen Story und guten Darstellern herausragendes Kino auf die Leinwand zaubern kann. Mangels einer spannenden Handlung ist ihm das aber im vorliegenden Fall nicht wirklich gelungen.
Und während sich in unseren Breiten die einen über die paar Brocken Schwyzerdütsch freuen, die man auch im Original hören kann oder über die Verwendung der Seebühne am Bregenzer Ufer des Bodensees bzw. der Innenstadt von Feldkirch, wird “Ein Quantum Trost” wohl nicht in die Top-10 der besten 007-Movies eingehen. Selbst 1500 Statisten bei der “Tosca”-Aufführung und eine enorme Anzahl an Szenen, die in schnellster Folge geschnitten sind, täuschen nicht über das Fehlen einer packenden Story hinweg.
Frei nach Tom Jones stellt sich die Frage: “What’s new pussycat?”, denn eigentlich haben wir alle Verfolgungsjagden in “Ein Quantum Trost” schon einmal in ähnlicher Form bei Connery & Co. gesehen. So etwas die die umwerfende Einstiegssequenz von “Casino Royale” mit den Sprüngen über die Kräne auf der Baustelle war neu und gab eine hohe Richtschnur vor. Sogar ein vergleichsweise billig zu organisierender Titelsong mit Hitqualitäten fehlt jetzt.
Kurz zum Inhalt: Der angebliche Umweltschützer Greene verhilft einem machthungrigen General in Bolivien an die Macht und möchte als Gegenleistung für die Hilfe ein Grundstück. Natürlich steckt dahinter ein böser Plan und Bond tritt an, um hier seine Mission zu erfüllen. Soweit, so simpel.
Was nach dem Konsum der gut 100 Minuten ”Quantum Trost” bleibt, ist die Erinnerung an jede Menge Action, wenig Bond-typisches und an einen Haufen Product-Placement, wobei sich hier Sony als Eigentümer der 007-Marke vergleichsweise zurückhält und mehr die neuesten Wagen aus dem Ford-Stall in die Vordergrund drängen: Neben dem traditionellen Aston Martin (dieses Mal in der Version als DBS mit 517 PS) kommen Modelle von Land Rover/Range Rover und die Fahrzeuge Ford Ka bzw. das SUV Edge zum Einsatz. Schade ist auch, dass die beiden Bond Girls Olga Kurylenko und Gemma Arterton nur Mini-Rollen ohne besonderen Charakterspielen. Außerdem stehen Techno-Tricks - bis auf die interaktiven Displays - wieder im Hintergrund, offenbar ist das Thema bei 007 inzwischen durch.
Fazit: Wer die DVD zu “Ein Quantum Trost” ersteht und dafür die selbst bei Verkaufsstart nur 9 oder 10 Euro hinlegen muss, erhält eigentlich genau das, wofür man bezahlt. Nämlich einen durchschnittlichen Actionfilm - leider nicht mehr. Aber eines ist sicher: Beim 23. Bond-Streifen wird es wieder mehr in Richtung klassischer James Bond gehen - müssen. Denn sonst ist die Marke tot.
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(c) nurido.at - 27.03.2009 - Cover: Amazon

