Nachhaltige Lösungen für öffentliche Bäder – für Betreiber und Badegäste

Familien- und Naturerlebnisbad Postbauer-Heng

Familien- und Naturerlebnisbad Postbauer-Heng

Zu den Aufgaben der Gemeinden gehört auch der – freiwillige – Unterhalt von Frei- und Schwimmbädern. Eine undankbare Aufgabe, wie die meisten Kämmerer und Bürgermeister glauben, da der Badespaß der Bürgerinnen und Bürger meist Kosten in die Kasse spült. Doch eine Schließung kommt wegen vehementer Bürgerproteste nicht in Frage. Verschärft wird die Situation durch die Notwendigkeit, die bestehenden Freibäder zu sanieren. Die meisten von ihnen stammen aus den 70er Jahren und sind mittlerweile in die Jahre gekommen.

„Die Renovierung eines Freibads kann aber auch eine Chance für sein“, meint Thomas Winkler vom Büro Badeplan. „Denn bei einer Umwandlung eines Chlorbades in ein Naturbad können langfristig die Unterhaltskosten gesenkt, ökologische Belange berücksichtigt und die Bürger zum Engagement für ihre Gemeinde motiviert werden.“ Ferner könne sich eine Gemeinde mit einem Naturbad ein unverwechselbares Profil geben und an Attraktivität für Bürger und Touristen gewinnen, betont der Ingenieur.

Niedrige Kosten bei Bau und Unterhalt von Naturbädern

Ökonomisch nachhaltig wirtschaften heißt, mit den finanziellen Ressourcen einer Gemeinde so umzugehen, daß Projekte langfristig finanzierbar sind. Bei dem Bau oder der Renovierung von Bädern bedeutet dies konkret, daß neben den Baukosten auch die laufenden Unterhaltskosten berücksichtigt werden müssen. Ein Vergleich der Betriebskosten von Chlor- und Naturbädern zeigt, daß Naturbäder sowohl bei den Herstellungs- wie auch bei den Unterhaltskosten wesentlich besser abschneiden. Bert Boye, Landschaftsarchitekt bei Badeplan erläutert: „Unsere Recherchen haben ergeben, daß die Baukosten im Mittel für Chlorbäder 1.758 Euro und bei Naturbädern 458 Euro betragen. Die Errichtung von Naturbädern ist also um 1.300 Euro pro Quadratmeter günstiger als der Bau eines Chlorbades.“ Auch die durchschnittlichen Betriebskosten eines Naturbads sind vergleichsweise niedrig mit 21,45 Euro/m² pro Badesaison. Zum Vergleich: Der Betrieb eines Chlorbads kostet 177 Euro pro Quadratmeter in einer Saison. Ursache für die hohe Kostendifferenz zwischen den beiden Bädertypen sieht Bert Boye in der aufwendigen und teuren Technik der Chlorbäder. „Beim Naturbad wird die Wasseraufbereitung nahezu kostenlos von Pflanzen und Mikroorganismen übernommen“, erklärt der Landschaftsarchitekt. Technik sei lediglich zur Unterstützung der natürlichen Selbstreinigungskräfte erforderlich. Kosten dämpfend wirken sich auch der geringere Pflegebedarf und der niedrigere Strom- und Wasserverbrauch aus.

Natürliche Wasserreinigung hilft sparen

Auch in Punkto Ökologie haben Naturbäder die Nase vorn. Neben dem Verzicht auf Chemie zur Wasserreinigung und dem niedrigeren Stromverbrauch wird auch mit der Ressource Wasser sehr schonend umgegangen. Denn das Wasser wird in Naturbädern im Winter nicht abgelassen, so daß die Neubefüllung im Frühjahr entfällt. Dieser Einsatz für den Umweltschutz wird anerkannt. Im Jahr 2007 erhielt das vom Büro Badeplan entworfene Familien- und Naturerlebnisbad Postbauer-Heng den anerkannten bayerischen E.ON Umweltpreis wegen seiner ökologischen Badewasserreinigung, das einen Betrieb ohne Einsatz chemischer Mittel ermöglicht.

Bei ihrem neuesten Projekt, dem Naturbad in Keidenzell bewiesen die beiden Planer, daß ein noch sparsamerer Umgang mit Wasser möglich ist. „Durch den Einsatz eines innovativen Filters kann der Wasserverlust pro Reinigungsgang mit der Saugbürste auf etwa 150 Liter pro Reinigungsgang reduziert werden“, erklären die beiden Planer stolz.

Gemeinsam baden und bauen verbindet

Ein Freibad ist ein wichtiger Treffpunkt für eine Gemeinde. Die Bürger sind daher auch bereit, sich engagiert für den Erhalt ihres Bades einzusetzen. Diese Erfahrung macht das Büro Badeplan bei jedem Projekt. „Sowohl in Postbauer-Heng als auch in Keidenzell war die Unterstützung durch die Bevölkerung enorm“, schwärmt Bert Boye. Thomas Winkler betont, daß durch die tatkräftige Unterstützung der Bürger viel Geld gespart wurde. Damit sich die Bürger mit ihrem Bad identifizieren, bieten die beiden Planer auch Workshops zur Bürgerbeteiligung an, um die Gemeindemitglieder in die Planung mit einzubeziehen und Wünsche und Anregungen aufzunehmen.

Naturbäder – ganzjähriger Spaß

Biologische Wasserreinigung und Spaß müssen sich nicht ausschließen. Wie bei einem herkömmlichen Chlorbad können Rutschen und Spielgeräte in das Naturbad integriert werden. Besonders gut ist dies beim Familien- und Naturerlebnisbad Postbauer-Heng gelungen. Ein Planschbecken, eine Rutsche ein neuer Spielbach, und neue Kneippstufen laden zu vielfältiger Nutzung ein.

Während nach der Badesaison beim Chlorbad ein leeres Loch in der Wiese gähnt, bieten Naturbäder einen ganzjährigen Genuß. Die Filterflächen sind attraktive Pflanzzonen, die ein intensives Naturerlebnis auch außerhalb der Badesaison ermöglichen: Im Winter eröffnen sich neue Sportmöglichkeiten für die Gemeindemitglieder, wie Eislaufen oder Eisstockschießen.

Technikraum oder Pflanzzone?

Beim Chlorbad übernimmt aufwendige Technik die Reinigung und Aufbereitung des Badewassers. Das Wasser eines Naturbads wird in der bepflanzen Regenerations- und Filterzone biologisch aufbereitet.

Zwar benötigt der Filter- und Regenerationsbereich mehr Platz als der Technikraum eines Chlorbades, aber die meisten Freibäder verfügen über genügend Platz, so daß die Pflanzzonen attraktiv in die Gesamtanlage integriert werden können. Mit kreativer Planung lassen sich aber auch Naturbäder auf kleinem Raum verwirklichen, wie Bert Boye und Thomas Winkler bewiesen: Auf nur 1.360 Quadratmetern Grundstücksfläche wurde das Naturbad in Keidenzell errichtet.

Hohe Wasserqualität

Ob Chlor- oder Naturbad, unabhängig vom Bädertyp müssen gesetzliche Vorschriften zur Wasserqualität eingehalten werden, die auch von den örtlichen Gesundheitsämtern regelmäßig überprüft werden. So können auch Skeptiker sicher sein, daß die Mikroorganismen in der Pflanzzone zuverlässig ihre Arbeit verrichten und eine hohe Wasserqualität eingehalten wird.

Viele Besucher empfinden das weiche Wasser eines Naturbades übrigens als sehr angenehm. „Endlich schwimmen und tauchen ohne rote Augen und Hautreizungen!“ ist das einhellige Fazit der Badegäste.