Wissenschaft aktuell: Vitamin D – jetzt auch Bedeutung in der Krebsprävention?

Vitamin D beeinflusst als Vorstufe hormonartiger Wirkstoffe die Regulation des Calcium- und Phosphathaushaltes. Es fördert die Calciumaufnahme aus der Nahrung und vermindert dessen Ausscheidung über die Niere. Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist somit entscheidend für einen gesunden Knochenbau und beugt Mangelerkrankungen wie Rachitis vor. Neuere Studien belegen jetzt auch einen Einfluss von Vitamin D auf die Entstehung bestimmter Krebsformen und die Überlebensrate nach einer Operation berichtet heute die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. aus Aachen.

Der Begriff Vitamin D bezeichnet eine Reihe von Verbindungen mit Vitaminaktivität. Zu nennen sind Vitamin D2 (Ergosterol), welches pflanzlicher Herkunft ist, das Vitamin D3  (Cholecalciferol) tierischen Ursprungs und das Steroidhormon 1,25-Dihydroxycholecalciferol. Sir Mellanby entdeckte 1919 das fettlösliche Vitamin D, als es ihm gelang, Rachitis bei Hunden zu heilen. Drei Jahre später wendete der Berliner Kinderarzt Huldschinsky UV-Strahlen mit ähnlichem Erfolg an. Es folgte die Erkenntnis, dass ultraviolette Strahlung und Wärmeeinwirkung Cholesterol in Vitamin D3 umwandelt. Aus diesem Grunde zählt Vitamin D laut Definition nicht zu den Vitaminen, da der Organismus es unter Sonneneinstrahlung selbst produzieren kann (1, 2).

Die aktive Form des Vitamin D, die im Körper wirksam ist, ist das Calciferol. Dieses ist verantwortlich für die Aufnahme von Calcium aus dem Darm sowie für die Einlagerung des Calciums in die Knochen. Eine Unterversorgung über einen längeren Zeitraum kann zur Mangelerkrankung Rachitis führen und andere wichtige Immunfunktionen beeinträchtigen.
Die Hauptaufgabe des Vitamin D ist die Aufrechterhaltung der Calcium- und Phosphat-Homöostase. Dadurch herrscht im Knochen ein Gleichgewicht zwischen Demineralisation und Mineralisation im Knochen, wobei das Vitamin D für die Bereitstellung des Calciums sorgt (1). Auch Darm, Nieren und Nebenschilddrüse sind wichtige Zielorgane des Vitamin Ds (1). Besonders reichlich ist Vitamin D in Lebertran, Aal und Hering enthalten. Der Bedarf ist vor allem davon abhängig, wie viel Vitamin D durch Eigensynthese gebildet wird. Dies wird beeinflusst von der Aufenthaltsdauer im Freien und der Intensität der Sonneneinstrahlung. Generell gilt die Empfehlung von etwa 5 Mikrogramm pro Tag, für Säuglinge und Schwangere gelten höhere Werte von 10 Mikrogramm (2).

Verschiedene Studien weisen nun auf einen Zusammenhang zwischen einer gesteigerten Aufnahme von Vitamin D und der Entstehung bestimmter Krebsformen hin. So fanden Forscher heraus, dass eine hohe Vitamin D-Menge im Körper bei Lungenkrebspatienten die Überlebenswahrscheinlichkeit nach Operationen erhöht. Entscheidend ist dabei die Menge des zugeführten Vitamins zum Zeitpunkt der Operation. Eine erhöhte Zufuhr – durch Sonneneinstrahlung und Nahrungsmittel beziehungsweise Nahrungsergänzungsmitteln – kann so die Überlebenswahrscheinlichkeit des Krebspatienten steigern (3).

In einer weiteren Studie fanden US-Forscher heraus, dass Personen mit hohen Mengen des Zwischenprodukts 25-Hydroxy-Vitamin D im Blut, ein geringeres Risiko für Brustkrebs aufwiesen. Ähnliches gilt für Darmkrebs: Je höher die Werte an 25-Hydroxy-Vitamin D im Blut, desto geringer das Risiko an Darmkrebs zu erkranken (4). Dies konnte auch in einer weiteren Studie bestätigt werden (5). Es liegen jedoch auch Untersuchungen mit gegenteiligen Ergebnissen vor. Dort findet sich bezüglich der Auftretenshäufigkeit von Darmkrebs kein signifikanter Zusammenhang zwischen Frauen, die erhöhte Mengen an Calcium und Vitamin D3 im Vergleich zur Placebo Gruppe zu sich nahmen. Einen eindeutigen Zusammenhang gibt es demnach bislang nicht. Ergänzende Untersuchungen auf diesem Gebiet können aber weitere, wichtige Ergebnisse bringen. 3.378 Zeichen

Literatur:

(1)    Biesalski H.K, Grimm P: Taschenatlas der Ernährung. Thieme Verlag, Stuttgart, 1999.
(2)    Biesalski H.K, Schrezenmeir J, Weber P, Weiß H (Hrsg.): Vitamine. Thieme Verlag, Stuttgart, 1997
(3)    Bessere Überlebenschance bei Lungenkrebs dank Vitamin D. Aus: Wei Zhou (Harvard School of Public Health) et al.: Beitrag zum Jahrestreffen der Amerikanischen Gesellschaft für Krebsforschung, Anaheim. 09.04.2005. http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=252536, Zit. 13.02.2007
(4)    Vitamin D schützt vor Brust- und Darmkrebs. In: Ärztliche Praxis 7 (2007). S. 6.
(5)    Park SY, Murphy SP, Wilkens LR, Nomura AM, Henderson BE, Kolonel LN: Calcium and Vitamin D Intake and Risk of Colorectal Cancer: The Multiethnic Cohort Study.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?db=pubmed&cmd=Retrieve&dopt=AbstractPlus&list_uids=17215380&query_hl=3&itool=pubmed_docsum, Zit. 14. 02.2007
(6)    National Institutes of Health. Calcium and Vitamin D Supplements Offer Modest Bone Improvements, No Benefits for Colorectal Cancer. 15.2.2006.
http://www.nhlbi.nih.gov/new/press/06-02-15.htm, Zit. 14.02.2007

 

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