Neue EU-weite Daten zu Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz:

PRESSEINFORMATION
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Wien, am 29. Juni 2015

Neue EU-weite Daten zu Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz:
Schwierige Kund/innen, Patient/innen und Schüler/innen stressen am meisten

Am Dienstag, dem 23. Juni 2015, stellte die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz, EU-OSHA, dem Europäischen Parlament in Brüssel die wichtigsten Ergebnisse der Zweiten Europäischen Unternehmenserhebung über neue und aufkommende Risiken, ESENER-2, vor. Die Studie liefert aktuelle Daten zum Umgang mit arbeitsbedingten Gesundheitsrisiken in Europa. Befragt wurden im Jahr 2014 nahezu 50 000 Unternehmen aus 36 Ländern – darunter alle 28 EU-Mitgliedstaaten. Ziel der Untersuchung ist es, politischen Entscheidungsträger/innen auf nationaler wie auf EU-Ebene ein umfassendes Bild über den tatsächlichen Umgang mit Sicherheit und Gesundheitsschutz an europäischen Arbeitsstätten zu geben.
https://osha.europa.eu/en/surveys-and-statistics-osh/esener

Österreicher/innen im europäischen Vergleich besonders unter Zeitdruck
In Österreich wie in Europa Risikofaktor Nummer eins: Der Umgang mit schwierigen Kund/innen, Patient/innen und Schüler/innen (Ö: 59 %, EU-Durchschnitt: 58 %). Hier spiegelt sich laut Studie das anhaltende Wachstum des Dienstleistungssektors wider.
In Österreich am zweithäufigsten: der Zeitdruck mit 54,8 %. Hier scheinen die Österreicher/innen im EU-Vergleich besonders gefordert: Europaweit liegt dieser mit 42,5 % „nur“ auf Platz sieben. Weiters für sämtliche Wirtschaftszweige sehr häufig genannt: Faktoren, die zu Muskel- und Skeletterkrankungen führen, wie anstrengende oder schmerzhafte Körperhaltungen (Ö: 52,6 %; EU: 55,8 %) und sich wiederholende Hand- oder Armbewegungen (Ö: 43,5 %; EU: 51,9 %).

Psychosoziale Risiken – hoher Informationsbedarf bei Unternehmen
„ESENER-2 zeigt, dass der Umgang mit psychosozialen Risiken von den Unternehmen als besonders große Herausforderung wahrgenommen wird“, so Dr.in Christa Sedlatschek, Direktorin EU-OSHA. Über die Hälfte aller Unternehmen wünscht sich hier mehr Information, wie psychosoziale Risiken im Zuge einer Arbeitsplatzevaluierung inkludiert werden können (Ö: 50,4 %, EU: 56 %). Deshalb unterstützt die EU-OSHA seit April 2014 mit ihrer aktuellen Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze – den Stress managen“ Unternehmen in diesem Bereich (www.healthy-workplaces.eu). In Österreich hat die Arbeitsinspektion des Sozialministeriums seit der Novelle des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes 2013 eine Beratungs- und Kontrolloffensive im Bereich psychosoziale Risiken gestartet.

Arbeitsplatzevaluierung wird von 90 % der Unternehmen sehr positiv beurteilt
Der erste Schritt zu gesunden Arbeitsplätzen ist eine Arbeitsplatzevaluierung.
„Die Studienergebnisse zeigen, dass 90 % der Unternehmen, die europaweit eine Gefährdungsbeurteilung vornehmen, diese als nützliches Verfahren für den Umgang mit Sicherheit und Gesundheitsschutz betrachten. Dies bestärkt uns, Unternehmen auch weiterhin bei der Umsetzung der Evaluierung zur Seite zu stehen, bis alle ihre Hausaufgaben in Sachen Arbeitnehmer/innenschutz erledigt haben“, so Dr.in Anna Ritzberger-Moser, Leitung der Sektion Arbeitsrecht und Zentral-Arbeitsinspektorat, Sozialministerium. Eine Schwerpunktaktion der österreichischen Arbeitsinspektion (3.806 Erhebungen in 12 Monaten) hat ergeben, dass eine Gefährdungsbeurteilung in 75 % der untersuchten Betriebe vorhanden war.

Österreichische Unternehmen setzen auf Einbezug der Mitarbeiter/innen
„Maßnahmen für gesunde Arbeitsplätze, wie sie im Zuge einer Evaluierung umgesetzt werden müssen, sind vor allem dann nachhaltig, wenn die Mitarbeiter/innen bei der Gestaltung und Umsetzung aktiv beteiligt werden“, so Sedlatschek. Hier liegt Österreich mit 88 % über dem EU-Durchschnitt von 82 %. Geht es um Maßnahmen gegen psychosoziale Risiken, liegt Österreich im europäischen Vergleich sogar auf Platz drei, hinter Norwegen und Dänemark. Damit sind Österreichs Unternehmen auf einem guten Weg.

Guter rechtlicher Rahmen sichert gesunde Arbeitsplätze
Als häufigster Grund für das Management von Sicherheit und Gesundheitsschutz wurde die Erfüllung gesetzlicher Auflagen angegeben (Ö: 87,5 %, EU: 85 %).Weiters häufig genannt: Die Erfüllung der Erwartungen der Beschäftigten und ihrer Vertreter (Ö: 82,1 %, EU: 79 %) sowie die Vermeidung von Strafen (Ö: 70,8 %, EU: 78 %).
Die Frage, ob die Komplexität der gesetzlichen Auflagen als Schwierigkeit beim Umgang mit Sicherheit und Gesundheitsschutz empfunden werde, wurde in Österreich nur von 34,5 % der Unternehmen bejaht. Negativer Spitzenreiter ist hier Italien mit 67,5 %, der EU-Durchschnitt liegt bei 40 %.

Links:
Zusammenfassung der Ergebnisse von ESENER-2
Ergebnisabfragen über das Online-Dashboard

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Presse-Rückfragen zu ESENER-2:
Pressestelle EU-OSHA: news@osha.europa.eu

Presse-Rückfragen zu “Gesunde Arbeitsplätze – den Stress managen”:
Mag. Nina Weiß, comm:unications
Tel. 01/315 14 11 -46, nina.weiss@communications.co.at