Inselfotografie – die Kunst der Entschleunigung. Zum neuen Bildband von Rainer Strzolka und Susanne Engelmann-Strzolka

Insel Föhr – ein Reiseführer in 193 Photographien

Rainer Strzolka (Fotograf) und Susanne Engelmann-Strzolka

Softcover

90 g/m² weiß, matt

200 Seiten farbig

ISBN 3-8442-2440-5

Verkaufspreis

48,00 €

 

 

Entschleunigte Reisephotographie zeigt die Aura des melancholischen Noch-Nicht. Arkadien existiert noch nicht, das Paradies wird erst kommen. Die Idylle, die dort gezeigt wird, ist eine Idylle des zerbrechliche Idylle die bereits die Zerstörung in der Hektik der Moderne in sich trägt. Sie ist erahnbar, aber noch nicht wirklich zu sehen. Entschleunigte Reisephotographie zeigt damit dialektisch die Fragwürdigkeit eines jeden Tourismus in unberührte Weltengegenden. Der Reisende, der diese Weltengegenden betritt, ist selbst ein Beschleunigender, der sogar jene vormodernen Nischen betritt, derer der von Hektik in die Einsamkeit getriebene Homo viator zur Regeneration vom Wahnsinn der Postmoderne bedarf. So wird der Moment zwischen Beharrung und Beschleunigung durch jene Form der Photographie vielfach inszeniert.

 

 

Die Entschleunigung der Welt durch Photographie stellt einen Gegenentwurf zur hektischen Welt der Werkshallen und durchorganisierten Büros dar, die das Individuum geradezu zwanghaft verformen. Selbst Vertrautes wird durch genaue Betrachtung der Dinge zu einem vormodernen Beharrungsraum, der Sinnlichkeit und Ruhe schenkt als Gegengewicht zu einer Arbeitswelt, die Effizienz über Menschlichkeit stellt. Das offizielle Diktat des Glücksverzichts durch ein Leben, in dem die Maloche dominiert, wird durch eine mußevolle Sicht der Welt ausser Kraft gesetzt. Die durch autoritäre Züge charakterisierte Welt des Managements wird durch individuelles Glück in weite Ferne gesetzt. Mußevolle Reisefotografie hat Züge gelebten Dissidententums.

 

Dem Reisephotographen ist die Fremde als ein altes Zuhause gewärtig, in dem transzendentale Erfahrungen mit Zeitlosigkeit als Selbstbestimmung wahrnehmbar werden. Von diesen Erfahrungen zu berichten, ist dem mußevollen Reisefotografen Bedürfnis und Anliegen zugleich. Das Zeugnis seiner Bilder verhindert, dass sich alles in eine Fabrik der Maßlosigkeiten verwandelt.

 

Entschleunigte Reisephotographie des Eskapismus zu verdächtigen, fällt leicht, ist doch Reise an sich mit Bewegung verbunden. Entschleunigte Reisefotografie vermag all das aufzuheben, was die Moderne auflöste und in die Postmoderne degenerieren ließ: Ich-Zerfall, der Verlust von Metaphysik und weltanschaulicher Orientierung. Sie vermag sogar die ständige Verfügbarkeit des Einzelnen durch Staat, Bürokratie und Ideologien zu neutralisieren.

 

Der seit kurzem vorliegende Farb-Band basiert auf einem Kunstprojekt der Galerie für Kulturkommunikation und der Naturheilpraxis Lebensbaum in Alfeld. Sein Ziel ist, einen anderen Blick auf Föhr zu werfen als es die bislang vorliegenden Bildbände tun. Föhr fotografiert als eine Insel der Normalität, die zwar vom Tourismus abhängig ist, aber vielfältiger, als es der normale Tourist wahrnimmt. Der Band zeigt Innenansichten der Wohnungen von Föhrer Bewohnern, die Veränderung und Verhässlichung der umgebenden Festlandschaften durch den Bau von Windkraftanlagen, den rauhen Charme der Infrastruktureinrichtungen und die karge Schönheit des Marschen- und Geestlandes. Viele der Bilder wirken impressionistisch, beinahe wie gemalt, sie wurden an der Grenze des technisch Möglichkeiten in Tageslichtrandsituationen aufgenommen. Die hier gezeigten Bilder entstammen den Jahren 2008 bis 2011.

 

 

Der Titel ist auch als ebook über www.epubli.de erhältlich, Auslieferung der Printausgabe über den gesamten Buchhandel und Amazon. Eine DVD ist zum Verkaufspreis von 15 Euro ist in Vorbereitung und ab Winter 2012 über den Simon-Verlag für Bibliothekswissen in Berlin erhältlich.