NINEELEVEN – WE REMEMBER „10 Jahre 11. September“ als Kunstprojekt in Wien-Hernals

NINEELEVEN – WE REMEMBER
Kunstraum Ewigkeitsgasse, Thelemangasse 6, 1170 Wien
www.galeriestudio38.at/NINEELEVEN

Die Ausstellung wird unterstützt durch die Amerikanische Botschaft in Wien (U.S. Embassy Vienna http://austria.usembassy.gov)

 

WERKE

Ina Alber (A), Wolfgang Bäuml (D/A), Jan Benesch (A), Franz Carl Carhaun (A), Jack B. Carmichael (USA), Silvia Ehrenreich (A), Thomas Engl (A), Frank Ettenberg (A/USA), Tina Fischer (TUR), M.M. T. Franzen (A/USA), Gerald Grünwerth (A), Sonja Henisch (A), Dorothea Kaan (A), Heidrun Karlic (A), Evamaria Karpfen (A), Karl Kilian (A), Eva Lene Knoll (A), Beate Krempe (A), Lillo Musicó (I), Helga Petri-Basaran (A), Dietbert Riegamer (D), Christoph Überhuber (A), Anna Wagner (A), Mario Wohlfahrt (A), Tina Wolff (D)

 

LITERARISCHE BEITRÄGE

Frederic Morton (USA), Julian Schutting (A), Daria Hagemeister (A), Sonja Henisch (A)

 

PROGRAMM

Sonntag, 11. September – ab 12 Uhr
13.30 Uhr ERÖFFNUNG der Ausstellung
in Anwesenheit des Kulturattachés der Amerikanischen Botschaft in Wien

und voraussichtlich des Schriftstellers Frederic Morton im Rahmen seines Europa-Aufenthalts
(Laudatio, Ansprachen, musikalische Begleitung: Uli Scherer, Anna Wagner, p)

14.46 Uhr GEDENKMINUTE
(Um 08.46 Uhr Ortszeit flog American-Airlines-Flug 11 am 11. September 2001 in den Nordturm des World Trade Centers)

Freitag, 23. September 19 Uhr
„Was geschah wirklich am 11. September?“ Daten.Fakten.Theorien.

LESUNG von Sonja HENISCH. Mit Diskussion


Freitag, 30. September 19 Uhr
Daria HAGEMEISTER „Eine Überdosis Freiheit“ (Roman), Arovell Verlag, Gosau-Salzburg-Wien 2011
BUCHPRÄSENTATION & LESUNG


Samstag, 8. Oktober 18 Uhr
Anna WAGNER (p) „Music in Memory“ (George Gershwin, Ruth Schönthal…)
FINISSAGE & KONZERT

 

ÖFFNUNGSZEITEN: Dienstag – Freitag von 16-19 Uhr – KÜNSTLER- UND KURATORENGESPRÄCHE auf Anfrage

Zur Ausstellung erscheint ein KATALOG
BÜCHER von bookpoint 17

 

© Einladungsmotiv Fotografie Anna Wagner

 

„10 Jahre 11. September“ als Kunstprojekt in Wien-Hernals

 

Diesem prägenden Ereignis ist eine Ausstellung mit Rahmenprogramm im Kunstraum „Ewigkeitsgasse“ zur Erinnerung an die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York gewidmet. Die Eröffnung findet am 11. September 2011 (mit Improvisationen von Uli Scherer am Klavier) statt, im Beisein des Kulturattachés der Amerikanischen Botschaft in Wien, die dieses Projekt unterstützt. Auch Frederic Morton plant bei der Eröffnung anwesend zu sein. Die Ausstellung endet mit einem Konzert von Anna Wagner (Klavier) am 8. Oktober.

 

Der 11. September 2001 hat die Welt grundlegend verändert und wird oft als historische Zäsur mit weltweiten Folgen charakterisiert. Die Welt war nach den Terroranschlägen nicht mehr die gleiche. Viele Menschen rund um den Erdball haben dieses Ereignis bewusst miterlebt und können sich – auch wenn sie nicht vor Ort, sondern nur virtuell „dabei“ waren – noch daran erinnern, wann und wie sie die Nachricht von den einstürzenden Türmen des World Trade Center in New York erstmals vernommen haben.

 

Das von kunst.projekte initiierte und kuratierte Ausstellungsprojekt setzt sich in vielfältigen Positionen namhafter nationaler und internationaler Künstlerinnen und Künstler mit dieser individuellen Erinnerung auseinander. Auf die Frage „Wie habt ihr den 11. September erlebt?“ geben sie mit Beiträgen aus Bildender Kunst, Literatur und Musik ganz unterschiedliche Antworten. Sie verbinden die Erinnerungskultur an dieses prägende Ereignis und seine Folgen mit kritischen Sichtweisen der Gegenwart 10 Jahre danach.

 

Neben gegenständlichen narrativen sowie abstrakten Tafelbildern in verschiedenen Techniken (Öl und Acryl oder Mischtechnik auf Leinwand, Druckgraphik, Tuschezeichnung, Collage, Siebdruck, gebrannter Ton sowie klassische Photographie – analog und digital), sind auch die mehrteilige Installation von Karl Kilian „MY OWN PRIVATE WTC“ und erstmals in Österreich auch kinetische Skulpturen und ein Objekt („Die Geburt der Gewalt“) des Hamburger Künstlers Dietbert Riegamer zu sehen („DepressionReflexionVision“ und „Dekadenz“). Viele der Werke entstanden in der Zeit nach den Anschlägen als Zeichen der unmittelbaren Betroffenheit, einige wurden im letzten Jahr und heuer für das Ausstellungsprojekt geschaffen.

 

Der Schriftsteller Julian Schutting, dem die Kuratorin im Mai 2011 bei einer persönlichen Begegnung von dem Kunstprojekt erzählte, griff die Idee auf und verfasste spontan einen eigenen Text. Frederic Morton stellt seinen Artikel aus der Los Angeles Times zur Verfügung. Daria Hagemeisters Roman „Eine Überdosis Freiheit“ spielt zum Zeitpunkt der Anschläge. Der Text von Sonja Henisch geht möglichen Verschwörungstheorien nach.

 

Der Ausstellungsort „Kunstraum Ewigkeitsgasse“, der sich im Haus des in New York lebenden Schriftstellers Frederic Morton befindet, gewidmet dem „Verein welt&co, zur Förderung interdisziplinärer Kulturprojekte*“- ist eine Erinnerungsstätte, ein Ort mit „Geschichte“ und der Konnex zum Thema des Projektes war damit schlüssig vorgegeben.

 

Darüber hinaus wird auf galeriestudio38.at/NINEELEVEN ein Weblog eingerichtet, in dem jeder seine persönlichen Erinnerungen und Gedanken niederschreiben kann und die ebenfalls Bestandteil der Ausstellung sein werden.

 

“From Role Model to International Bully in Three Short Years” – so lautet die Überschrift eines Artikels von Frederic Morton in der Los Angeles Times vom 27. September 2004, in dem er angesichts des Irakkrieges 2003 die Wandlung der Freiheitsstatue in einen „Unheil bringenden Koloss“ charakterisiert, „die Maschinenpistole schwingend statt der Friedens-Fackel“ .

 

Für den Schriftsteller Julian Schutting („Eleven“) wurde „ein beliebiger Tag der Septemberwoche“ im Sommerdomizil seiner damaligen Lebensgefährtin in Kärnten zu einem markanten Datum, als er die einstürzenden Türme auf dem Bildschirm sah. Zuerst an einen Actionthriller („amerikanischer Zukunftsschund“) denkend, wird ihm das „reale Geschehen“ – live moderiert durch Hannelore Veit und Josef Broukal im ORF – alsbald bewusst: „Und so bekomme ich, wie andere vor mir wohl schon mehrmals, das Unfassbare gleich nochmals zu sehen, Minuten später wieder – und hätt’ ich vor Benommenheit gehofft, mit der nächsten Wiederkehr würde sich wirklich Wahres auflösen wie ein Spuk“.

 

Im Roman „Eine Überdosis Freiheit“ der in Wien und Kalifornien lebenden Autorin Daria Hagemeister sind der Anschlag und die darauf folgenden Veränderungen in der amerikanischen Gesellschaft die Herausforderungen und Hürden für den Versuch ihrer Romanheldin, in den USA Fuß zu fassen und ein neues Leben zu beginnen. (Arovell Verlag, Gosau-Salzburg-Wien 2011 ISBN 9783902547286)

 

Sonja Henisch (Autorin und Malerin) ist mit zwei Ölbildern in der Ausstellung vertreten. „Die unheilige Trinität“ personifiziert George W. Bush, Saddam Hussein und Osama Bin Laden. Drei Kinder stehen vor einem Bildschirm im Zentrum. Rauch und Feuer wachsen über dessen Rand hinaus. „Sich aus dem Staub machen“ (im doppeldeutigen Sinn) zeigt eine Frau, die vor der Aschewolke flieht und im Hintergrund drei schemenhafte Figuren mit Ku Klux Klan-Kapuzen ohne Gesichter – mögliche Drahtzieher des Anschlags?

 

In ihrem Text „Berichte und Gedanken zu 9/11“ recherchierte Henisch die möglichen Verschwörungstheorien und stellt diese zur Diskussion.

 

Ina Alber erinnert sich an das Geschehene, indem sie versucht mit ihrer abstrakten, „schmutzigen“ Malerei, beeinflusst von Elementen der Collage, die Dunkelheit und Panik widerzuspiegeln.

 

Wolfgang Bäuml erstes Werk seiner bekannten analogen Kuh-Fotografien entstand genau am 11. September in Mürzzuschlag.

„Phönix: 9/11″ von Jan Benesch ist ein Diptychon aus rotem Ton. Die Brandbilder stehen für die zwei brennenden Türme des World Trade Centers und sollen an die verheizten Menschen dieser Tragödie erinnern. Die 2832 eingeritzten Kerben entsprechen der Anzahl der Todesopfer, die damals zu beklagen waren.

Franz Carl Carhaun präsentiert die Skizze eines gescheiterten Projektes für ein „World Trade Center Memorial“. In einem offenen Brief an den Wiener Bürgermeister regte er im Oktober 2001 an, aus der Ruine eine Gedenkstätte als Symbol gegen den Krieg der Religionen und Konfessionen werden zu lassen, mit der Idee, dass verschiedene Nationen bunte Glasfenster dafür spenden sollten.

 

Jack B. (Carmichael) verwendet abstrakte Malerei und Collagen auf Einkaufstaschen aus Papier sowie Fotografie für sein Statement. „Der Hamburger ist hier, um zu bleiben“ interpretiert den Text auf einer Roastbeef-Packung und symbolisiert für ihn die Standhaftigkeit Amerikas angesichts der Tragödie.

 

Silvia Ehrenreich stellt symbolisch die Augen der ganzen Welt, die damals, heute und morgen auf dieses Ereignis gerichtet sind, in den Mittelpunkt ihrer Serie von Tusche-Zeichnungen auf Papier in der Form eines Filmstreifens.

 

Der Hintergrund der Siebdruckserie „Stockexchange“ von Thomas Engl besteht aus Original-Zeitungen vom

11. September.

 

Frank Ettenberg untersucht in seinem abstrakten Diptychon „My Nine-Eleven Nr. 2 2001-2006“, wie sich durch den Einsturz der Türme der Schwerpunkt verlagert hat und etwas aus dem Gleichgewicht, aus der Balance geraten ist – als Ausdruck seines Schmerzes, wie er ihn ursprünglich erlebt hat.

 

Tina Fischer zeigt eine Arbeit aus ihrer Serie “War, occupying forces, history and painting”, die die Auswirkungen von 9/11 auf die Globalisierung und auf die Entwicklung von Reichtum und Armut zum Thema widerspiegelt.

 

M.M.T. Franzen reflektiert in ihrem großformatigen Kombinationsdruck „We watched and we remembered“ das dramatische Geschehen mit Bildelementen wie Feuer, Wolkenkratzer, Menschen.

 

Gerald Grünwerth hat in den „Jahren danach“ immer wieder Werke mit Bezug zu New York geschaffen. Das Ölbild „Schlafengehen in einer Stadt, die niemals schläft“ war 2008 in New York im sogenannten „Hafen der Künstler“ ausgestellt, ein Bezirk zwischen der Brooklyn- und Manhattan-Bridge mit Blick auf Manhattan (nun ohne die Türme des WTC).

 

Dorothea Kaan erzählt in ihrem aus 22 Einzelelementen bestehenden Werk in Form eines „Tafelbilds als Comic“ (Öl auf Sperrholz, Casani Holzbildträger) ausschließlich ihre eigene Geschichte zu dieser Zeit, gekennzeichnet durch eine schwere Krise mit Panikattacken und Angststörungen (die letzte davon am 11. September vormittags). Dennoch markiert dieses Ereignis für sie auf einer grundlegenden Ebene eine Wende, die eine Veränderung der Wahrnehmung vieler Menschen auslöste.

 

Heidrun Karlic widmet ihr Bild „Dog Hero“ dem Gedenken an die Rettungshunde, die sich als wahre Helden bei der Suche nach den verschütteten Opfern der Katastrophe erwiesen haben.

 

Evamaria Karpfen bringt in „Exploding Indian Summer“ und in “Destroyed Indian Summer” Blätter und Federn als Symbol für die ums Leben gekommenen Menschen auf die Leinwand. Im ersten Bild wirbeln Blätter und Äste durch die Explosion wie Fetzen umher. Im zweiten Bild sinken sie nach der Zerstörung in den entstandenen Krater.

 

Karl Kilian war am 11. September in der Neuen Synagoge Berlin – Centrum Judaicum – tätig. Ihn erschütterte dieses Ereignis zutiefst und er entwickelte ein Projekt, das sich gegen die Panikmache und Einschüchterung der Medien und die Verschärfung der Gesetze (PATRIOT Act etc.) wendet, welche die persönliche Freiheit massiv einschränkten.

In seiner Installation „MY OWN PRIVATE WTC“ (9/11 2001+++) hat Kilian mit verschiedenen künstlerischen Mitteln Versatzstücke aus populären Kinofilmen, eigene Fotografie, Projektion und Malerei und Videokassetten mit gelöschtem Inhalt zu einer raumgreifenden Intervention verarbeitet. Ein zentraler Teil ist ein auf eine Leinwand projizierter Kurzfilm, zusammengesetzt aus Szenen von populären Kinofilmen, die das World Trade Center zeigen. Das Repertoire reicht dabei von romantischen Komödien (Harry & Sally), über Spionagethriller (Die 3 Tage des Kondor) bis hin zu „trashigen“ Zombiefilmen (WOODOO – Zombie 2). Erweitert wird das Ganze durch Malerei und eine Installation aus Kaufvideokassetten, auf denen ursprünglich einen Film mit dem WTC zu sehen war, die aber gelöscht (erased) wurden (auch das Label der VHS-Kassetten wird ausradiert). Die Twin-Towers werden im richtigen Maßstab gebaut.

 

Darüber hinaus reist Kilian seit 2002 jedes Jahr in eine andere Hauptstadt, um am 11. September eine eintägige Fotosafari durch die Stadt zu machen und seinen Weg durch sie an diesem speziellen Tag festzuhalten.

 

Eva Lene Knoll hinterfragt in ihrem Bild „Zerstörung der zwei Türme“ das falsche Denken in Politik und Wirtschaft, das zur Katastrophe geführt hat.

 

„Taggedanken“ nennt Beate Krempe ihre Collage, die den Sturz vieler Menschen aus den Fenstern der Twin-Towers zum Inhalt hat: „Jahr um Jahr bündeln sich am 11. September weltweit die Gedanken an diesen Tag“.

 

Das Ausgangsmaterial für das Diptychon „Ricomposizione della Memoria“ von Lillo Musicó sind Tageszeitungen, die zu einer Collage verarbeitet werden. Kleine, längliche Papierstreifen werden herausgerissen, farblich geordnet und Schicht um Schicht auf die Leinwand geklebt, abgeschmirgelt und versiegelt. Ein Akt, bei dem der übliche Weg des Recyclings von Altpapier angehalten und durch neues Zusammensetzen in eine andere Richtung geführt wird.

 

Helga Petri-Basarans Werk „Murray Street“ entstand 2001 und zeigt in der Hitze verschmolzene Autoteile und Trümmer.

 

Es waren die Auswirkungen des 11. September, die Berichterstattung in den Medien, die Dietbert Riegamer zu seinen kinetischen Skulpturen und Objekten inspiriert haben:

 

In „DepressionReflexionVision“ (2002 Kautschuk, Textilgewebe, Elektronik) knüpft Riegamer an die Ideen der Aufklärung an, aber auch an Goya. Was aus der Ferne wie eine Leinwand in dunklen monochromen Tönen wirkt, wird beim Nähertreten zu einem Flachrelief, auf dem sich zwölf überdimensionale Blüten befinden (jene Zahl, die in Gesellschaft, Religion, Mythologie, Musik und Naturwissenschaft eine besondere Stellung einnimmt). Plötzlich wird die Leinwand lebendig. Eine Blüte nach der anderen öffnet sich, heraus kommen raupenähnliche Gebilde, die sich in verschiedene Richtungen in die Höhe recken, ohne sich dabei zu berühren.

 

In „Dekadenz“ (Anmerkung: in der Ausstellung als Video gezeigt) sieht sich der Betrachter einem Relief gegenüber, das an die Darstellung der Verdammten in Michelangelos Jüngstem Gericht erinnert. Plötzlich spaltet sich dieses Konglomerat herabstürzender, ausgezehrter Leiber auf, und heraus kommt ein weißes Tuch, das sich ausbreitet wie ein Schmetterling seine Flügel. Es formt sich zu einem Kreis, wird unvermutet zu einer Leinwand, auf der eine Bilderflut zu toben beginnt. In Bruchteilen von Sekunden blitzen Porträts von Menschen auf von Prominenten wie Michael Jackson, Madonna oder George Clooney, Politikern wie George W. Bush, Saddam Hussein oder Tony Blair. Dazwischen tauchen kopulierende Menschen und Tiere auf, paarweise oder in Gruppen, Explosionen, Rennwagen, und immer wieder Modelabels und Reklamespots. Wichtiges steht neben Trivialem, Ästhetisches neben Pornographischem. In den Bildfolgen spiegelt sich der Rhythmus des 21. Jahrhunderts wider, seine Schnelligkeit, seine Oberflächlichkeit, sein Verfall, der den Attentätern offenbar das Motiv für ihre Anschläge lieferte. Hier schimmert etwas vom Zivilisationspessimismus durch, wie ihn schon Nietzsche formuliert hat und wird zum Symbol für den Höllensturz unserer Zivilisation.

 

„Die Geburt der Gewalt“ ist ein flach zerlegbares Objekt bestehend aus fünf zweidimensionalen Elementen. Es zeigt eine blaue Burka, die den Kopf einer Frau verhüllt, und zwei gespreizte Schenkel, zwischen denen ein Baby sichtbar wird. Doch dann schiebt sich eine schwarze, massige, gesichtslose Gestalt, die groben Hände zu Fäusten geballt hinter diese Geburtsszene, und der friedliche, lebensbejahende Moment wird jäh zerstört: Das einst hilflose Kind ist zu einem Mann geworden, der seine Fäuste nicht nur gegen Andersdenkende richtet, sondern auch gegen die Frau, die ihn geboren hat.

 

Riegamer richtet in dieser Arbeit das Augenmerk auf die Taliban und somit auf jenen kaum bekannten Kulturkreis, aus dem die Hintermänner der Anschläge stammen, bei denen allein Männer das Sagen haben, Frauen nahezu ohne Rechte sind und keine Chance auf Bildung oder Selbstbestimmung haben. Ein Teil des Verkaufserlöses des Objekts (limitierte Auflage von 500 Exemplaren) geht daher an das Frauenhaus im pakistanischen Sangla Hill und soll Mädchen und Frauen dabei unterstützen, ein emanzipiertes Leben aufzubauen.

(unter Verwendung von Texten von Dr. Gisela Albrod, Kunsthistorikerin, zu Dietbert Riegamer).

 

Christoph Überhuber hat die Titelseite der New York Times vom 12. September 2001 auf verschiedene Weise bearbeitet und verfremdet und durch eigene Arbeiten ergänzt. Der daraus entstandenen C-Print „GREATEST ART“ stellt die amerikanische Trauerarbeit in Frage. Die ursprüngliche Überschrift hat er durch die Aussage des Komponisten Karlheinz Stockhausen ersetzt. Sein Statement dazu lautet: „Mit dem Fundamentalismus der Attentäter korrespondierte der professionelle Fundamentalismus der amerikanischen Trauerarbeit. Die Unfähigkeit, zu trauern, wurde zum wahren Ausweis der Patrioten. Wer wie etwa der Komponist Karlheinz Stockhausen das erhabene Ereignis künstlerisch interpretierte und die Terroranschläge zum größten Kunstwerk erklärte, wurde geächtet, obwohl auch die Medien nichts anderes taten, als das Ereignis aus jedem verfügbaren Kamerawinkel möglichst ästhetisch und spektakelartig nachzuinszenieren“.

 

Die Pianistin und Fotografin Anna Wagner erzählt in ihrer dreiteiligen Fotografie-Serie “Betty Boop and the Statue of Liberty”, zu der es auch ein Poster in Comicform gibt, die Geschichte von der Zerstörung der Freiheit. Bildelemente sind neben der bekannten weiblichen Cartoon-Figur Max Fleischers als Freiheitsstatue ein wenige Tage nach dem Anschlag in New York gekauftes T-Shirt mit der Aufschrift „We Remember“ und im Hintergrund ein Maschinenteil aus der ehemaligen Metallwarenfabrik der Familie Morton in der Thelemangasse, der die Twin-Towers symbolisiert. Anna Wagner wird zur Finissage unter anderem Werke von George Gershwin und der deutsch-amerikanischen Komponistin mit jüdischen und österreichischen Wurzeln, Ruth Schönthal (1924-2006, Pianistin und Professorin an der New York University) spielen.

 

Mario Wohlfahrt hat seinen Eindruck über den Schock vom 11. September mit Lack und Acryl auf Leinwand festgehalten. Die Zerstörung ist durch die schwarzen Linien besonders betont, der Zusammenbruch und das Einstürzen der Gebäude mit vielen großen und kleinen Teilen dargestellt. Es brennt in allen Farben. Rauch und Wasser vermischen sich. Der Übergang vom Rot ins Orange und schließlich ins Weiß des Horizonts suggeriert Hoffnung und Zukunft.

 

„Krieg tut weh“ sagt Tina Wolff über ihre gleichnamige Arbeit in Mischtechnik und will damit an eine einfache Wahrheit erinnern – egal, wer Schuld oder Recht hat: „Wer Leid zufügt, muss sich innerlich von dem betroffenen Gegenüber abgewandt haben“.

 

Parallel zur Ausstellung in der Thelemangasse wird auch eine Auswahl von Fotografien aus Kabul (Markt- und Straßenszenen) gezeigt, die Robert Puskas 2009 aufgenommen hat (Rote Bar auf der Piazza gegenüber dem C.I. Payergasse 14, 1160 Wien).

 

*Der Verein „welt&co“ wurde 1999 als Plattform zur Kommunikation der vielfältigen künstlerischen Ausdrucksformen von Uli Scherer in Wien gegründet, mit dem Ziel, Initiativen zu setzen und Treffpunkt von österreichischen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern zu sein. Dabei haben sich im Laufe der Jahre die Schwerpunkte Literatur, Musik, Bildende Kunst, Fotografie/Film und Multimediale Performance etabliert. 2007 begann die Zusammenarbeit mit Frederic Morton unter der Projektreihe „ZEITPRÄGUNGEN“. Im Kunstraum „Ewigkeitsgasse“ wird durch den lebendigen und aktiven Bezug zur Geschichte (des jüdisch-geistigen Erbes) in kontinuierlichen Veranstaltungen zur kulturpolitischen Vermittlung beigetragen.

 

 

 

PRESSEKONTAKT :

Für die Ausstellung: Ursula Pfeiffer verein ::kunst.projekte:: der [galerie]studio38 ZVR 123612155
office@galeriestudio38.at www.galeriestudio38.at 0680/128 2380

 

Für den Kunstraum Ewigkeitsgasse: Alfred Woschitz Verein welt&co ZVR 627103699 awoschitz@gmx.at 0664/88656434

 

Pressefotos auf Anfrage und auf der Homepage
Das Bildmaterial steht zum honorarfreien Abdruck bei redaktioneller Verwendung zum Download auf www.galeriestudio38.at/NINEELEVEN zur Verfügung.

Wenn nicht anders angegeben: © kunst.projekte