Rückführung von Diktatorengeldern bleibt meist leere Phrase

Zürich, 3. Mai 2011. Die jüngsten Ereignisse in Nordafrika und dem Nahen Osten haben wieder Politiker und Banken auf den Plan gerufen, die verkünden, dass Vermögenswerte dieser Diktatoren und ihrer Familien eingefroren würden, um sie später der neuen, legitimen Regierung zurückzugeben.  Nach einer neuen Studie des Research-Unternehmens MyPrivateBanking sind diese Ankündigungen aber meist nur Lippenbekenntnisse für die Öffentlichkeit. Denn nur ein Bruchteil in Höhe von 5% der veruntreuten Gelder von Diktatoren und korrupten Politikern wird eingefroren und davon nach langen Verfahren lediglich rund die Hälfte zurückerstattet.

Für die Studie Billions without a Trace – Dictators´ Stolen Assetsanalysierte MyPrivateBanking Research, was mit dem Vermögen der 25 berüchtigtsten Diktatoren/korrupten Politiker seit 1990 geschah, nachdem diese gestürzt wurden oder ihr Amt freiwillig verließen. Die Gesamtsumme der von diesen 25 Diktatoren und ihren Vertrauten veruntreuten Geldern schätzt MyPrivateBanking auf fast USD 140 Mrd. Gemäß MyPrivateBanking eine konservative Schätzung basierend auf historischen (nicht inflationsbereinigten) US-Dollar-Werten. Allerdings wurde nur ein Bruchteil (5%) der veruntreuten Geldern von Regierungen und Banken eingefroren bzw. blockiert und ein noch kleinerer Anteil (2,4%) der Diktatorengelder wurde an die Regierungen und die Menschen, die Opfer von Korruption und Diebstahl ihrer ehemaligen Herrscher, zurückgegeben.

Analyse des Verbleibs der veruntreuten Vermögenswerte von 25 Diktatoren und korrupten Politikern

Veruntreute Vermögenswerte

Blockierte Vermögenswerte

Zurückgeführte Vermögenswerte

USD

139 Mrd.

7 Mrd.

3,3 Mrd.

Anteil an den veruntreuten Vermögenswerten

5 %

2,4 %

Quelle: MyPrivateBanking Research

MyPrivateBanking sieht verschiedene Gründe für dieses ernüchternde Ergebnis. In vielen Fällen sind die Regierungen und ihre Behörden nicht in der Lage die veruntreuten Vermögenswerte aufzuspüren, da diese sehr gut durch ein Netzwerk von Scheinfirmen und Mittelsmännern verschleiert wurden. Darüber hinaus haben die westlichen Regierungen oft nicht den politischen Willen ehemalige politische Verbündete zu verfolgen. Sie fürchten, dass dies zur Aufdeckung von eigenem Fehlverhalten führen könnte. Aus ähnlichen Gründen sind teilweise auch die neuen, legitimen Regierungen in den Ländern nicht daran interessiert, Ansprüche an den veruntreuten Vermögenswerten geltend zu machen.

Banken und Vermögensverwalter haben auch einen erheblichen Teil der Verantwortung zu tragen: Die sorgfältige Überprüfung der Herkunft der Anlagen von politisch exponierten Personen ist in der Einschätzung von MyPrivateBanking in vielen Fällen nur eine Alibiübung, obwohl die Gesetzgebung gegen Geldwäsche in vielen Ländern, wie z.B. der Schweiz, deutlich verschärft worden ist. Auch bei konkreten Verdachtsmomenten fehlen den Finanzdienstleistern häufig der Wille und die Ressourcen, um vertiefte Abklärungen durchzuführen. Im Ergebnis erhalten Diktatoren und ihre Mittelsmänner einen für sie sehr wertvollen Zugang in die legalen Finanzsysteme und Geldkreisläufe. „Der überwiegende Teil der Vermögenswerte mit Ursprung in kriminellen Aktivitäten von korrupten Politikern und ihren Familien ist scheinbar unauffindbar und für immer  verloren“, sagt Steffen Binder, Research-Direktor von MyPrivateBanking. „Unsere Zahlen zeigen jedoch, dass sobald Vermögen eingefroren wird, die Wahrscheinlichkeit einer nachfolgenden Rückgabe an das Herkunftsland hoch ist.“

Die wichtigste Maßnahme zur Verbesserung der Situation sollte nach Auffassung von MyPrivateBanking die Ablehnung auch nur ansatzweise zweifelhafter Vermögenswerte sein. Sollten trotzdem Vermögen in die legalen Finanzkreisläufe gelangt sein, muss ihre Spur konsequent verfolgt werden. Dies erfordert sowohl einen klaren politischen Willen seitens der beteiligten Behörden und Banken als auch die Nutzung aller legalen, investigativen Mittel.

In den letzten Jahren wurde der internationale Rechtsrahmen zur Bekämpfung der Geldwäsche erheblich gestärkt. MyPrivateBanking bewertet die bestehenden Geldwäschegesetze als eine gute Basis, aber nicht ausreichend, da die Regeln nach wie vor relativ einfach zu umgehen sind. „Die von korrupten Politikern und Potentaten illegal erlangten und versteckten Vermögenswerte sind eine tickende Zeitbombe für Regierungen und Banken, da sie Zeugen ihrer früheren Zusammenarbeit mit korrupten und kriminellen Politiker und ihrer Helfershelfer sind“, betont Christian Nolterieke, Geschäftsführer von MyPrivateBanking. Daher ist es im Interesse der Finanzwirtschaft, nicht auf strengere Regulierungen zu warten. Banken sollten aktiv, effektive Strategien entwickeln, um Anleger und Vermögenswerte mit kriminellen Hintergrund frühzeitig zu identifizieren, die Annahme dieser Vermögenswerte zu abzulehnen und die bereits investierten, veruntreuten Gelder zu identifizieren und zu blockieren.


Über die Studie:
MyPrivateBanking Research hat den Verbleib der Vermögen der 25 wichtigsten Diktatoren / korrupten Politikern analysiert, die seit 1990 gestürzt wurden oder ihr Amt freiwillig verlassen haben: Alberto Fujimori (Peru), Arnoldo Alemán (Nicaragua), Augusto Pinochet (Chile), Benazir Bhutto (Pakistan), Carlos Menem (Argentinien), Carlos und Raul Salinas (Mexiko), Charles Taylor (Liberia), Daniel Arap Moi (Kenia ), Felix H. Boigny (Elfenbeinküste), Ferdinand Marcos (Philippinen), Frederik Chiluba (Sambia), Gnasingbé Eyadema (Togo), Hosni Mubarak (Ägypten), Jean-Claude Duvalier (Haiti), Joseph Estrada (Philippinen), Laurent Gbabgo (Elfenbeinküste), Mobutu Sese Seko (Demokratische Rep Kongo), Mohamed Suharto (Indonesien), Moussa Traoré (Mali), Omar Bongo (Gabun), Pavlo Lasarenko (Ukraine), Saddam Hussein (Irak), Sani Abacha (Nigeria), Slobodan Milosevic (ehemaliges Jugoslawien), Zine El Abidine Ben Ali (Tunesien).

Über MyPrivateBanking:
MyPrivateBanking ist eine unabhängige Informations- und Networkingplattform für vermögende Privatkunden und Vermögensverwalter weltweit. Gegründet in 2009 in der Schweiz bietet MyPrivateBanking eine Vielzahl von Informationen, um Anleger bei ihren Entscheidungen in der Vermögensanlage zu unterstützen. Hierzu zählt eigene Research, Artikel und Updates rund um das Thema Vermögensverwaltung, detaillierte Bankverzeichnisse und Kundenbewertungen von Vermögensverwaltern weltweit. Das interaktive „MyWealth“-Online-Netzwerk erlaubt es Kunden von Vermögensberatern und Privatbanken miteinander Kontakt aufzunehmen und Erfahrungen auszutauschen. Ziel von MyPrivateBanking ist es, dass die Vermögensverwaltung für den Kunden transparenter, kosteneffizienter und kundenorientierter wird. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.myprivatebanking.com.