Karl-Heinz Smuda: Ghostwriting ist nicht unmoralisch – meist

Interview mit dem Ghostwriter und Lektor Karl-Heinz Smuda zu den Mutmaßungen, wonach Bundesverteidigungsminister v. Guttenberg einen Ghostwriter für seine Doktorarbeit beschäftigt habe. Smuda berichtete über die Anfragen von Studenten, die einen Ghostwriter beschäftigen wollen.

Berlin. – Ghostwriting sei nicht unmoralisch. Das erklärte Karl-Heinz Smuda in einem Hörfunkinterview. Smuda ist Ghostwriter und Lektor in der deutschen Hauptstadt.

Problematisch werde die Arbeit für ihn als Ghostwriter nur dann, wenn sie von Studenten in Anspruch genommen werde.

Smuda kenne allenfalls den Verdacht, dass eine Doktorarbeit wie die von Bundesverteidigungsminister v. Guttenberg nicht sorgfältig genug erstellt wurde. Das werde geprüft, und wer sich als Fremder einmische,  führe derzeit eine politische Diskussion, keine wissenschaftliche. Die abschließende Bewertung liege bei den Gutachtern der Universität Bayreuth.

Der Ghostwriter mahnte zur Zurückhaltung im „Fall v. Guttenberg“, bis die Vorwürfe aufgeklärt seien. Smuda stellte die Frage, wie sorgfältig die Doktorväter von Bundesverteidigungsminister v. Guttenberg bei der Begutachtung der Dissertation gearbeitet hätten, weil der CSU-Politiker die Bestnote „summa cum laude“ erhalten hat.

Zu den Vorwürfen gegen den Minister gehören die, Textteile übernommen zu haben. Dies lasse sich über Suchmaschinen überprüfen.

Bundesverteidigungsminister v. Guttenberg

Smuda bezog sich auf die Diskussion um Bundesverteidigungsminister v. Guttenberg. Zu den Mutmaßungen gehöre es, dass der Politiker einen Ghostwriter beschäftigt haben könnte. Smuda: „Dafür gibt es derzeit keine Belege.“

Abgesehen von den Sanktionen der Prüfungsämter, die Studenten auf die Schliche gekommen sind, sehe Smuda die moralische Komponente, wonach sich studentische Auftraggeber später in ihren Berufen bewähren müssten. „Es ist unfair, dass Begüterte sich einen Ghostwriter leisten könnten – während die Anderen hart zum Beispiel für ihren dann verdienten Doktortitel arbeiten müssen.“

Schönes Leben

Smuda betonte, dass er als Ghostwriter nicht für Studenten arbeite. Woche für Woche träfen Anfragen ein, auch für die Erstellung von Doktorarbeiten: „Ich bin müde geworden. Nun schicke ich einen Link zu meiner Webseite, um zu erklären, warum ich solche Aufträge nicht annehme.“

Studenten böten zuweilen hohe Summen für die Erstellung ihrer Arbeiten an.

Die Anfragen bei ihm stammten gelegentlich von Studierenden, deren Eltern die Kosten übernähmen, „damit deren Söhne und Töchter sich um ihre Beziehungen oder ihr Freizeitvergnügen kümmern könnten“. Diese Mentalität sei für Smuda nicht akzeptabel.

Grenzsituationen

Es gäbe Fälle, die am Prinzip der Ablehnung nichts änderten, jedoch handele es sich um Studenten, die an schweren Krankheiten oder der beruflichen Überlastung litten und um ihre Zukunft fürchteten.

Smuda sähe das Problem, dass ehemalige Studenten lebenslang mit der Furcht leben müssten, eines Tages ertappt zu werden. Nicht die Ghostwriter seien das Problem, sondern die Akademiker selber, die ihr Geheimnis nicht für sich behalten könnten.

Ghostwriter Smuda kenne Geschichten von Ehefrauen und Freunden, die sich nach Jahren rächten. Andernfalls müssten die früheren Studenten lebenslang eine Last tragen: die des Verschweigens und Lügens gegenüber engsten Vertrauten.

Ghostwriting für Unternehmen

Anders sähe die Arbeit als Ghostwriter für literarisch ambitionierte Privatleute und für Unternehmen aus. Dort werde auf Fertigkeiten vertraut. Informationsmaterial oder fortlaufend Ideen käme von dort, um einer Arbeit Gestalt zu geben.

„Diese Arbeiten entscheiden jedoch nicht über die Zukunft.“, sagte Smuda.

Ghostwriting ist Teil des Marketings

Der Einsatz eines Ghostwriters gehöre zu den Marketingideen von Unternehmen, die Hintergründe für ihre Kunden oder Geschäftsfreunde beleuchten lassen. „Um Betrug handelt es sich nie.“ Broschüren, Kataloge, Selbstdarstellungen: Sie alle werden von Textern erstellt, die selten in Erscheinung träten.

Anders sei das bei Studenten, die geistige Leistungen von Fremden erstellen ließen und als ihre eigenen ausgäben: „Manchmal folgt dann die Quittung.“ Smuda: „Selbst schuld.“

Man sei zeitlebens dafür verantwortlich, womit man sich selbst und aus eigener Kraft vertraut gemacht habe. Daran halte Karl-Heinz Smuda in seiner Arbeitspraxis fest.

http://www.smuda-berlin.de