Von der Leidens- und Liebesgeschichte zu einem großartigen Literaturdenkmal
Wie so oft im Leben begann alles unverhofft und wenig erfreulich. Es war mal wieder soweit – 13. Klasse Deutschunterricht und um eine Lektüre kamen wir unmöglich herum. Es galt folglich das kleinste Übel aller möglichen auszuwählen und auf einen gnädigen Richter zu hoffen, der bei der Bepunktung etwaiger Arbeiten unserem literarischen Sachverstand genüge tun würde.
Nachdem offentsichtliche Nieten schon bei der Vorauswahl durch aufmerksame Literaturkritiker (im Folgenden als „Schüler“ bezeichnet) aussortiert wurden, gab es nur noch zwei Kandidaten: „Die [vielgepriesene] Blechtrommel“ von Günther Grass sowie Kafkas Prozess. Auf der einen Seite Grass schwerer Ringer, der schon Generationen von Schülern dank seines knochentrockenen Charmes und „gigantomanischer Länge“ (Schüler-Maßeinheit) Staub in die Augen geblasen hatte. Auf der anderen Seite Kafkas schlanker Recke mit seiner gelenken Sprache und frechem Cover – der Ausgang dieses Kräftemessens braucht nicht erwähnt zu werden.
Nach dieser Episode dauerte es einige Jahre bis mir mein Prozess , gereift wie guter Wein, in die erwachsenen Hände fiel.
Der Tag des Prokuristen und Hauptprotagonisten Josef K. beginnt schlecht, da ihn jemand verleumdet haben muss, „denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet“. Damit beginnt ein grandioses Verwirrspiel, denn K. wird zwar verhaftet und Angeklagt, doch darf er sich serwohl frei bewegen und seinen Geschäften nachgehen. Genauso ungewöhnlich stellt sich das anklagende Gericht dar – der Prozess ist nicht nur vor der Öffentlichkeit sondern auch vor dem Angeklagten selbst geheim, genauso wie das zugrundeliegende Gesetz oder die Anklageschrift. Für K. beginnt eine Odyssee, als er versucht sich zu verteidigen. In deren Verlauf trifft der Angeklagte K. mit einer Vielzahl von so kurios- wie genialen Charaktern und Schauplätzen zusammen, Begegnungen welche viel Stoff für lustvolles Kopfzerbrechen oder – je nach Laune- verzwicktes schmunzeln bieten. Bis K. schließlich „verurteilt“ wird – doch was es damit auf sich hat wird nicht verraten. Es sei nur gesagt, dass das Ende von Kafkas Meisterwerk genauso fulminant wie der Anfang ist.
Weitere Informationen sowie eine kostenlose Leseprobe finden sie hier.

Über das Ausgabe:
Taschenbuch mit 248 Seiten bestehend aus dem eigentlichen Haupttext, Kafkas unvollständigen Fragmenten sowie Rezeptionen, Anmerkungen und anderen Informationen zum Werk. Der Buchaufbau folgt dabei der sogenannten „kritischen Ausgabe“ nach Malcolm Pasley, da Kafka selbst sein Werk niemals ganz vollendet hat.ISBN-10: 3872912003
ISBN-13: 978-3872912008
Über den Autor:
Franz Kafka wurde 1883 als Sohn eins jüdischen Kaufmanns geboren, studierte Germanistik, promovierte zum Dr. Jur. und arbeitete als Jurist bei der “Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt” bis zu seiner Pensionierung 1922. Kafka starb 1924 an Tuberkulose.
„Der Prozess“ wurde 1925 von seinem besten Freund, Max Brod, gegen den letzten willen Kafkas veröffentlicht, da Kafka verfügt hatte alle unveröffentlichten Werke von ihm zu verbrennen.




